Atemwegserkrankungen bei Kleinkindern

Atemwegs-Infektionen bei Kleinkindern [/b]
In der kalten Jahreszeit haben Atemwegserkrankungen wieder Hochsaison. Niesanfälle, Halsschmerzen und Husten sind meist nur die ersten Anzeichen eines beginnenden „Infektes“, der leicht in eine Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) übergehen kann. Zwischen vier und acht Millionen Menschen müssen in jedem Jahr wegen dieser Erkrankung den Arzt aufsuchen. Nicht minder häufig ist die akute Bronchitis. Im Kindesalter besteht zudem ein besonders hohes Risiko, an einer Mittelohrentzündung (Otitis media) zu erkranken. Auch sie entsteht auf dem Boden einer bakteriellen Infektion der oberen Atemwege. Die auffallende Häufigkeit der Mittelohrentzündung bei Kindern ist schnell erklärt. Die anatomischen Verhältnisse des Ohres von Kleinkindern unterscheiden sich deutlich von denen des „Erwachsenenohrs“. Zum einen ist die Neigung bestimmter Ohrgänge weniger ausgeprägt, zum anderen sind die knorpeligen Bestandteile des Innenohrs noch sehr weich und elastisch. Beides erleichtert bestimmten Bakterien das Eindringen und Festsetzen. Erst im Alter von etwa sieben Jahren gleicht sich die Anatomie der von Erwachsenen an. Ein weiterer Grund für die Infektanfälligkeit sind die noch ungenügend entwickelten Abwehrkräfte bei Kleinstkindern. Das Immunsystem befindet sich ja sozusagen noch in der Trainingsphase und lernt erst mit den Jahren all die Eindringlinge kennen, gegen die es sich später so erfolgreich zur Wehr setzt. Auch die Rachenmandeln beherrschen ihre Abwehrfunktion noch nicht zufriedenstellend. Als vierte große Infektionskrankheit der Atemwege wird bei Kindern daher oft eine Mandelentzündung festgestellt. Sinusitis, Bronchitis, Otitis media und die Tonsillitis, wie die vier Krankheiten vom Arzt bezeichnet werden, sind meist bakteriellen Ursprungs. Sie bedürfen schnell einer zuverlässigen Behandlung, weil es sonst zu schwerwiegenden Folgeschäden kommen kann. Eine Entzündung der Stirnhöhlen, Lungenentzündungen, Hörverlust oder sogar das Übergreifen der bakteriellen Infektion auf das Herz können die Folge einer ausbleibenden oder unwirksamen Behandlung von Atemwegsinfektionen sein.



Vier „Leitkeime“ sind die Schuldigen


Der rechtzeitige Gang zum Arzt ist der beste Schutz vor solchen dramatischen Konsequenzen. Auch wenn hin und wieder die „Kraft der Natur“ oder der Nutzen althergebrachter Rezepte aus Großmutters Zeiten beschworen werden – Kamillenspülungen und Inhalationen pflanzlicher Zubereitungen sind hier in aller Regel fehl am Platze und zudem für die Heilung des kleinen Patienten auch sonst in keiner Weise geeignet. Der Arzt wird deshalb meist eine Therapie mit Antibiotika einleiten. Heutzutage steht ihm dazu ein umfangreiches Arsenal vielfältiger hochwirksamer Substanzen zur Verfügung. Bei seiner Auswahl wird er eine ganze Reihe von Entscheidungskriterien berücksichtigen müssen. Um ganz sicher zu gehen, müsste er eigentlich genau wissen, welches Bakterium die Infektion hervorgerufen hat. Dann gilt es zu testen, durch welches der vielen Antibiotika dieses Bakterium überhaupt bekämpft werden kann. In den Forschungslaboratorien haben die Wissenschaftler ihm diese Arbeiten allerdings schon abgenommen. Aus umfangreichen Untersuchungen weiß man inzwischen, dass fast immer einer oder mehrere der folgenden Bakterienstämme für die vier oben genannten Erkrankungen verantwortlich sind: Strepptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis und Streptococcus pyogenes. Die Forscher haben auch bereits im Vorfeld ausprobiert, welche Medikamente am besten gegen diese vier Leitkeime eingesetzt werden können. Die Wahl des Medikamentes kann heutzutage somit ohne aufwändige Laboruntersuchungen erfolgen. Das sichert vor allem einen schnellen und zügigen Behandlungsbeginn – ohne tagelanges Anzüchten von Bakterienproben, die man den kleinen Patienten zuvor auch noch entnehmen müsste. Ein Antibiotikum, das für diese vier bekannten Leitkeime als verlässlicher Gegner gilt, ist zum Beispiel das Clarithromycin.




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