Kinderkrankheiten

10 Fragen und 10 kurze Antworten zu häufigen Kinderkrankheiten - Klein sind sie und schutzlos ... so meint man. Das kindliche Immunsystem ist jedoch bereits sehr früh im Leben vollfunktionstüchtig und in der Lage, die Widrigkeiten des Alltages inForm von Krankheitserregern abzuwehren.

1. Was sind Kinderkrankheiten und welche fallen unter diesen Begriff?
Generell fallen unter den Begriff "Kinderkrankheiten"selbstverständlich alle Erkrankungen des Kindesalters. Enger gefaßtversteht man darunter jedoch typische Erkankungen dieser Lebensphase,insbesondere die sogenannten exanthematischen Erkrankungen, alsodiejenigen, die mit einem Hautausschlag einhergehen (im WesentlichenMasern, Scharlach, Röteln, Windpocken). Neben letzterenwird der folgende Text auch kurz auf eine weitere häufige Erkrankungder frühen Adoleszenz eingehen, das Pfeiffer'sche Drüsenfieber. Vieleder typischen Kinderkrankheiten sind durch Impfung vermeidbar.

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FAQ zu Impfungen des Robert-Koch-Institutes



2. Was sind Masern?
Masern, medizinisch Morbilli genannt, gehören zu den ansteckenstenErkrankungen überhaupt. Insbesondere in den nicht entwickelten Ländernsterben jährlich mehr als 1 Mio. Kinder an dieser durch ein sog. RNA-Virus verursachten Krankheit. Die Ansteckung geschieht durch sog.Tröpfcheninfektion (Niesen, Sprechen). Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Masern liegen ziemlich genau 10 Tage, das Haupterkrankungsalter liegt zwischen 2 und 4 Jahren. An den Masernerkrankt man nur einmal, es besteht also nach der Erstinfektionlebenslange Immunität. Die Masern kündigen sich meist durch Schnupfen, Fieber, bellenden Husten und eine Bindehautentzündung an. Auf der Wangenschleimhaut zeigen sich gegenüber den Backenzähnen kleine, kalkspritzerartige Flecken, die Halslymphknoten schwellen an. Der Masernausschlag ist großfleckig, beginnt hinter den Ohren und breitet sich vom Kopf aus nach unten aus. Gefürchtete Komplikationen der Masern: Mittelohrentzündung als zusätzliche bakterielle Infektion, Lungenentzündung und die seltene, aber oft tödlich verlaufendeHirnhautentzündung.

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BERUFSVERBAND DER KINDER- UND JUGENDÄRZTE e. V.: Masern

3. Was versteht man unter Scharlach?
Scharlach ist im Gegensatz zu den Masern eine bakterielle Erkrankung,verursacht durch eine bestimmte Art von Streptokokken. Bis zu 10% derKinder- und Jugendlichen tragen die Erreger in sich, ohne daran zuerkranken. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 3. und 10.Lebensjahr. Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung liegen imMittel 3 Tage. Da verschiedene Scharlacherreger existieren, gibt eskeine vollständige Sicherheit, diese Erkrankung nicht mehr als einmaldurchzumachen. Die Krankheit kündigt sich an mit Halsschmerzen, Hustenund hohem Fieber, gelegentlich Erbrechen. Dabei ist der Rachenschmerzhaft gerötet, die unter dem Unterkiefer liegenden Lymphknotensind geschwollen. Ab etwa dem 4. Tag färbt sich die Zunge rot("Himbeerzunge"), am 2. oder 3. Tag tritt ein stecknadelkopfgroßerAusschlag vom Rumpf in Richtung Kopf aufsteigend, auf. Der Bereichzwischen Mund und Kinn ist nicht betroffen. Wesentliche Komplikationen können sein: der sog. toxische Verlauf mit einer weiten Verbreitung der Bakterientoxine mit Erbrechen, Durchfällen oder Krämpfen; Folgeerkrankungen wie die Herz(muskel)entzündung oder Nierenerkrankung (sog. Rheumatisches Fieber, Spätkomplikation). Als bakterielle Erkrankung kann man den Scharlach gut mit Antibiotika behandeln.

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Dr. Peter Voitl: Scharlach

4. Röteln: was ist das?
Röteln, medizinisch Rubeola, ist, nach der kurzen Exkursion in das Reich der Bakterien, wieder eine Virusinfektion. 80-90% aller Erwachsenen über 20 Jahre haben bereits eine Erkrankung durchgemacht. Die Zeit zwischen Infektion und Ansteckung liegt bei ca. 2,5 Wochen. Hauptsächlich erkranken Schulkinder. Die Krankheit zeichnet sich im Wesentlichen durch einen milderen Krankheitsverlauf als die beiden vorausgehenden Kinderkrankheiten aus, das Fieber ist nicht so hoch, die Kinder sind nicht so schwer krank. Auch der typische Hautausschlag ist anders: es ist mehr an Hals und Brust lokalisiert und nicht im Vordergrund stehend. Bei Röteln findet sich von den klassischen Erkrankungen des Kindesalters mit Hautausschlag die stärkste Schwellung der Lymphknoten am Hals. Auch die Milz kann anschwellen. Eine spezifische Therapie ist oft nicht erforderlich. Bedeutung erlangt die Rötelnerkrankung, wenn Sie während einer Schwangerschaft durchgemacht wird: schwere Mißbildungen für das Ungeborene können die Folge sein.

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Kinderärzte im Netz: Röteln/Rötelnembryophathie

5. Ringelröteln: was ringelt sich denn da?
Ringelröteln, in der Fachsprache Erythema infectiosum, ist eine durch das Parvovirus B19 ausgelöste, in der Mehrzahl der Fälle für den Infizierten unbemerkt verlaufende, häufige Erkrankung. Kennzeichnend ist auch hier ein typischer Ausschlag, der girlandenförmig im Gesicht verläuft, sowohl Bläschen als auch fleckige Stellen enthält und periodisch geht und wiederkehrt. Eventuell sind leichte klinische Symptome wie die einer Grippe, leichte Gelenkschmerzen und Lymphknotenschwellungen auffällig. Auch diese "Kinder"-Krankheit kann für Schwangere ein Problem darstellen: je nach Zeitpunkt der Infektion können eine Erkrankung mit Ringelröteln in der Schwangerschaft sogar einen Abgang des Ungeborenen bedeuten. Die Therapie beschränkt sich auf Fiebersenkung und weitere Allgemeinmaßnahmen. Isolation ist nicht erforderlich, da bereits nach Ausbruch der Krankheit eine Ansteckbarkeit nicht mehr gegeben ist.

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Dr. Jürg Beriger: Ringelröteln

6. Dreitagefieber: drei Tage Fieber?
Das Dreitagefieber betrifft im Wesentlichen Säuglinge von einem Alter von 6 bis 24 Monaten und ist durch hohes Fieber und einen wiederum charakteristischen Ausschlag gekennzeichnet, der im Fall des Dreitagefiebers aus fleckigen bis bläschenförmigen Veränderungen im Wesentlichen des Nackens und Stamms, seltener der Leisten, besteht. Die Zeit zur Ansteckung dauert im Mittel 12 Tage. Eine milde Halsentzündung oder Lymphknotenschwellung kann dem Ausschlag vorausgehen, durch das anfänglich sehr hohe Fieber können Krämpfe auftreten. Nach einem plötzlichen Abfall des Fiebers zeigt sich der beschriebene Ausschlag. Erreger der Erkrankung ist ein Herpesvirus, das HHV-6.

7. Kann eine Windpockeninfektion wiederkommen?
Auch die Windpocken haben zur Ursache allen Übels ein Virus aus der Familie der Herpeserreger, das Varizella-zoster-Virus. Charakteristisch für die Gruppe der Herpesviren ist ihre Fähigkeit, im Körper auch nach Abschluß der Erkrankung zu persistieren und zu einem späteren Zeitpunkt reaktiviert zu werden. Eine Reaktivierung bedeutet auch immer eine erneute Infektiosität des Trägers des Erregers. Windpocken treten 2-3 Wochen nach Ansteckung auf, eine Ansteckung erfolgt durch die Luft (aerogen). 1 Tag vor bis 1 Woche nach Auftreten der charakteristischen, stark juckenden Bläschen, besteht Ansteckungsgefahr. Im Wesentlichen erkranken Kinder zwischen 2 und 6 Jahren, 90% aller Erkrankungen finden vor dem 20. Lebensjahr statt. Der Ausschlag bei Windpocken wird aufgrund des bunten Bildes auch als "Sternenhimmel" bezeichnet. Auch die Mundschleimhaut kann diese Veränderungen enthalten, am dichtesten findet er sich jedoch am Rumpf. Wichtige Komplikationen: eine Reizung der Hirnhäute (meist gutartig), Lungenentzündung, seltener eine Entzündung des Kleinhirns. Gefährdet ist bei einer Infektion in der Schwangerschaft das ungeborene Kind. Bleibt eine Infektion im Körper bestehen, so kann diese später als Gürtelrose wiederkehren.

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Kinderärzte im Netz: Windpocken



8. Pfeiffersches Drüsenfieber: heißt die Erkrankung zurecht "Kußkrankheit"?
In 90% der Fälle verläuft die Krankheit symptomlos, die mittlere Dauer liegt etwa bei 2 Wochen. Betroffen sind eine spezielle Gruppe der sog. weißen Blutkörperchen, die B-Lymphozyten. Über 90% der Erwachsenen sind bis zum 30. Lebensjahr von der Erkrankung betroffen gewesen. Die meisten merken davon nichts. Die Erkrankung wird oft durch Speichelkontakt, etwa beim Küssen, übertragen, man kann sich aber auch durch Tröpfcheninfektion anstecken. Zwischen Kontakt mit einem Erkrankten und Ausbruch von Symptomen liegen zwischen 10 und 50 Tagen. Hauptsymptome: Fieber, Halsentzündung mit geschwollenen Mandeln, Müdigkeit, Muskel- und Kopfschmerzen. Jüngere Kinder verkraften die Erkrankung oft besser als ältere. Eine gefürchtete Komplikation ist die Milzvergrößerung mit Milzeinriß. (Falsche) Behandlung mit einem Antibiotikum führt oft zu einem Ausschlag ("Ampicillinexanthem").

weitere Informationen
Goldene Regeln zum Pfeiffer'schen Drüsenfieber

9. Herpangina: muss ich mir Sorgen machen?
Die Herpangina verdanken wir zur Abwechslung vom eben Gesagtem einem sog. Enterovirus, genauer gesagt, aus der Gruppe der Coxsackieviren. Meist sind Kinder und Jugendliche betroffen. Im Sommer und Herbst treten im Vergleich zu den anderen Jahreszeiten vermehrt Symptome auf. Eine Ansteckung erfolgt durch Sekrete des Mund- und Rachenraumes, also durch Tröpfcheninfektion, in Einzelfällen auch durch Schmierinfektion. Zwischen Ansteckung und Infektion vergehen etwa 6 Tage. Die Erkrankung ist auf den Mund- und Rachenraum beschränkt und zeigt zunächst hohes Fieber, das bis zu 3 Tage anhält, verbunden mit Übelkeit, Kopf- und Halsschmerzen. Im Anschluß an diese Symptome bilden sich gräulich-weißliche Bläschen, die von einem roten Hof umgeben sind. Aus den Bläschen werden in der Folge kleine Geschwüre. Diese heilen innerhalb der kommenden Tage meist völlig folgenlos ab. Selten ist eine bakterielle Begleitentzündung zu sehen, die einer zusätzlichen Antibiotikatherapie bedarf. Die Erkrankung an sich wird meist nur durch Allgemeinmaßnahmen versorgt.

10. Wann soll, wann kann, wann muß ich impfen?
Eine umfangreiche Broschüre in Form eines Interviews der Stiftung Kindergesundheit mit einer Mitarbeiterin des Robert-Koch-Institutes weist noch einmal auf die Wichtigkeit regelmäßiger Impfungen im Kindes- und Jugendalter hin, zeigt aber auch auf, wo diese nicht notwendig ist - Pro und Contra Impfung. Viele Infektionskrankheiten des Kinder- und Jugendalters sind durch Impfung vermeidbar und werden auf diesem Wege auch verhindert.

weitere Informationen
Impfungen - 10 Goldnene Regeln




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