Fruchtgummi

Süßwaren sind bei Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen beliebt und werden mitunter inrecht großen Mengen genascht. Ob Speiseeis, Kekse, Schokolade oder würzige Snacks,gemeinsam ist fast allen Produkten, dass sie reichlich Fett und Zucker (Kohlenhydrate) enthalten.





Ihr Verzehr wird häufig mit einem erhöhten Risiko für ernährungsabhängige Krankheitenwie Fettleibigkeit (Adipositas), Diabetes und Karies in Verbindung gebracht.Fruchtgummiwaren zeichnen sich im Gegensatz zu anderen Süßigkeiten dadurch aus, dasssie praktisch kein Fett, sondern hauptsächlich Zucker enthalten. Manche Hersteller werbendaher mit Slogans, die suggerieren, dass Fruchtgummi zum Abnehmen geeignet sei oderdieses erleichtern würde. Auf der anderen Seite wird oft behauptet, dass es gerade der Zuckerist, der dick mache.Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vertritt die Auffassung, dass nicht die Zufuhrmenge einzelner Makronährstoffe (Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate) ausschlaggebend für dasRisiko einer unerwünschten Gewichtzunahme ist, sondern die Energiebilanz insgesamt. Wersich kaum bewegt, verbraucht wenig Energie und gerät bei gleichzeitig hoher Energiezufuhrschnell in eine positive Energiebilanz. D.h., wenn man seinem Körper über die Nahrungmehr Energie zuführt als der Körper verbrauchen kann, nimmt man an Gewicht zu. Das BfRsieht daher kein spezielles Risiko für Fruchtgummi, durch den enthaltenen Zucker dick zumachen. Denn Fruchtgummierzeugnisse weisen pro 100 g ähnlich hohe Energiegehalte aufwie andere Süßwaren. Das Risiko, durch unbegrenztes Naschen von Fruchtgummi an Gewichtzuzunehmen, ist daher ebenso groß wie bei anderen Süßwaren auch.Das BfR weist außerdem darauf hin, dass Werbeaufdrucke wie "ohne Fett" überflüssig sindund Verbraucher unter Umständen in die Irre führen, weil Fruchtgummierzeugnisse in derRegel so gut wie kein Fett enthalten.Kritisch sieht das Institut ebenso, dass Fruchtgummi teilweise mit hohen Vitamin- und Mineralstoffmengen angereichert wird. Übermäßiger Verzehr von angereichertem Fruchtgummikann unter Umständen zu unerwünschten gesundheitlichen Effekten führen.

1 Gegenstand der Bewertung

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nimmt Stellung dazu, ob durch den Verzehrvon Fruchtgummiwaren aufgrund des hohen Kohlenhydratgehaltes die Entstehung von Übergewicht begünstigt wird, oder ob wegen der Abwesenheit von Fett unbegrenztes "Naschen"möglich ist, ohne dick(er) zu werden.Fruchtgummi besteht überwiegend aus Glukosesirup und Zucker sowie z.T. aus Dextrose,modifizierter Stärke und/oder Gelatine und Säuerungsmittel. Normalerweise enthaltenFruchtgummiwaren kein Fett. Darüber hinaus sind Aromen und Farbstoffe in unterschiedlichenAnteilen enthalten. Manche Hersteller reichern Fruchtgummi auch mit Vitaminen undMineralstoffen an.Der Energiegehalt von Fruchtgummi liegt je nach Zutaten zwischen 300 und 400 kcal pro100 g.

2 Ergebnis





Fruchtgummi weist - ähnlich wie andere Süßwaren - einen Energiegehalt auf, der bei Verzehreiner Packung von 100 oder 150 g ca. 20% des Tagesenergiebedarfs von Kindern undJugendlichen ausmacht.Das BfR sieht in dem Kohlenhydratgehalt von Fruchtgummi kein speziell erhöhtes Risiko fürdie Entstehung bzw. Zunahme von Übergewicht. Übermäßiger Verzehr kann jedoch zu einerhohen Energieaufnahme führen und das Risiko für eine positive Energiebilanz steigern.Das Institut ist weiterhin der Auffassung, dass Verbraucher durch Werbeaufdrucke wie "...fettfrei..." unter Umständen irregeführt werden können, weil hier mit einer Selbstverständlichkeitgeworben wird und der Verzehr derartiger Produkte nicht zur Gewichtsverminderungbeitragen kann.Kritisch zu sehen ist auch, dass Fruchtgummiwaren häufig mit Vitaminen und Mineralstoffenangereichert werden. Den Süßigkeiten wird dadurch ein "gesundes" Image verliehen. Derübermäßige Verzehr von Vitaminen und Mineralstoffen kann unter Umstanden sogar zu unerwünschten Effekten für die Gesundheit führen. Eine ausführliche Darstellung der toxikologischen und ernährungsphysiologischen Aspekte der Verwendung von Mineralstoffen und Vitaminen in Lebensmitteln ist auf der BfR-Internetseite zu finden unter http://www.bfr.bund.de/cm/238/verwendung_von_vitaminen_in_lebensmitteln.pdf

3 Begründung





Der Vergleich der durchschnittlichen Energiegehalte von 100 g Fruchtgummi (300-400 kcal)mit dem von 100 g Milchschokolade (536 kcal), 100 g Hartkaramellen (391 kcal), 100 g Keksen(498 kcal) oder 100 g Dragees mit Schokoladenüberzug (372 kcal) zeigt, dass der Energiegehaltvon Fruchtgummi dem anderer Süßwaren ähnelt. Der einzige Unterschied besteht in der Verteilung der Makronährstoffe: Während Süßwaren normalerweise neben einem hohenZuckergehalt auch einen erheblichen Fettgehalt aufweisen, besteht Fruchtgummi praktischnur aus Kohlenhydraten und enthält kein Fett.Da Fruchtgummi in der Regel kein Fett enthält, hält das BfR Werbung mit dem Hinweis aufeine fettfreie Süßigkeit für überflüssig bzw. unter Umständen für den Verbraucher irreführend,denn Übergewicht ist vor allem eine Frage der Energiebilanz.Andererseits ist mit Blick auf die mögliche dickmachende Wirkung einer hohen Kohlenhydratzufuhr von Fruchtgummi zu sagen, dass beim Menschen erst eine extrem hohe Zufuhr an Kohlenhydraten zu einer Netto-Fettsynthese (Lipogenese) führt (Minehira et al., 2004). Das heißt, dass bei praktisch fettfreier Ernährung die Oxidationskapazität für Glukose (ca. 500 g/d) überschritten und die Glykogenvorräte auf mindestens 500 g aufgefüllt sein müssten, bevor der Körper Kohlenhydrate in Fett umwandelt. Biochemisch betrachtet ist dies dadurch begründet, dass Fett ohne große Umwandlungsprozesse im Fettgewebe eingelagert werden kann, während für die Umwandlung von Kohlenhydraten in Fett 20-25% der in Kohlenhydraten verfügbaren Energie verbraucht werden.Selbst bei massiver Überernährung mit Kohlenhydraten über einen Zeitraum von zehn Tagenkonnte bei stoffwechselgesunden Menschen keine signifikante Lipogenese gemessenwerden.

(BfR)


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