Diabetes - Insulin und seine Wirkungsweise
Das körpereigene Hormon Insulin vermittelt die Einschleusung von Glukose über Insulin-Rezeptoren in alle insulinabhängigen Zellen des menschlichen Körpers wie Muskeln oder Fettzellen. Bei Insulinmangel oder einer unzureichenden Wirkung des Insulins im Organismus steigt der Blutzuckerwert an, während es gleichzeitig zu einer Unterversorgung der Zellen mit der Energiequelle Traubenzucker kommt. Man spricht von der Zuckerkrankheit oder Diabetes mellitus. Nahezu jeder zwölfte Bundesbürger ist von dieser Erkrankung betroffen. Die Gesamtkosten, die der Staat jährlich für die Behandlung der Zuckerkrankheit und deren Folgeschäden ausgibt, beziffern sich auf mehrere Milliarden Euro.
Hand in Hand arbeiten
In den meisten Fällen geht der Diabetes Typ 2 mit typischen "Zivilisations-Krankheiten" wie Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck einher. Als erster wurde der Forscher G. REAVEN im Jahre 1988 auf das gehäufte Zusammentreffen dieser vier Erkrankungen aufmerksam. Er gab dieser merkwürdigen Konstellation zunächst den Namen "Syndrom X". Inzwischen hat sich die Bezeichnung "Metabolisches Syndrom" eingebürgert.
Gefährliche Folgen
Die Folgeschäden des Diabetes sind gefürchtet. Sie können nur vermieden werden, wenn der Diabetes wirksam und dauerhaft behandelt wird. Es gilt inzwischen als gesichert, dass zu hohe Blutzuckerspiegel gewissermaßen "Gift" für den Körper sind. Sie verursachen Schäden an den Innenwänden der Blutgefäße, die zu Durchblutungsproblemen an Herz, Gehirn und Nieren führen können. Der im Blut übermäßig vorhandene Zucker dringt in die Organe und Gewebe des Körpers ein und verbindet sich mit dem hier enthaltenen roten Blutfarbstoff (Hämoglobin). Dort verbindet er sich mit wichtigen Strukturen und schädigt bestimmte Funktionen von Zellen, z.B. von Nervenzellen, Nierenzellen oder Schwellen. Als Resultat können mit der Zeit schwere Störungen der Nieren, der Nerven oder der Augen entstehen. Darüber hinaus verbindet sich der Blutzucker mit dem roten Blutfarbstoff. Die Verzuckerung des Hämoglobins lässt sich im Übrigen gut messen und ist ein wichtiges Qualitätskriterium für die Güte der Blutzuckereinstellung. Den dabei gemessenen Wert bezeichnet man als HbA1c-Wert. Bei einem gut eingestellten Diabetiker sollte er stets unter 6,5 Prozent liegen.
Wenn Insulin erforderlich wird
Viele Patienten mit Diabetes haben ihre Erkrankung durch die tägliche Einnahme oraler Antidiabetika gut unter Kontrolle. Sie sichert in vielen Fällen eine akzeptable Blutzuckereinstellung und eine gute Lebensqualität. Dennoch sehen sich viele Diabetiker mit der Zeit, oft Jahre später, mit der Notwendigkeit konfrontiert, Insulin spritzen zu müssen. Verständlicherweise ist das für den Betroffenen häufig ein schwerer Schritt. Später zeigt sich jedoch, dass die Insulinspritze sich gut in das Alltagsleben integrieren lässt. Die moderne Diabetestherapie hat sich nämlich dem Credo verschrieben, die Insulinspritze dem Leben des Patienten anzupassen und letzteres eben nicht dem Rhythmus der Spritze unterzuordnen. Möglich wurde dies unter anderem durch die Entwicklung bestimmter abgewandelter Insuline, die sich in ihrer chemischen Struktur nur geringfügig vom körpereigenen Insulin unterscheiden und als Insulinanaloga oder moderne Insuline bezeichnet werden.
Der Haken mit dem Spritz-Ess-Abstand
Bei gesunden Menschen werden in Nüchternphasen ständig kleine Insulinmengen aus der Bauchspeicheldrüse abgegeben. Nach einer Mahlzeit kommt es hingegen zur Freisetzung einer größeren Insulinmenge, die auf Art und Menge der aufgenommenen Nahrung, insbesondere Kohlenhydrate, angepasst wird.
Diabetiker müssen diese physiologische ("natürliche") Insulinfreisetzung durch das Spritzen von Insulin simulieren. Deshalb benötigen sie eine Art "Basisinsulin" und zu den Mahlzeiten ein "kurzwirksames" Insulin. Insulin wird in der Regel in das Unterhautgewebe gespritzt. Von dort benötigt es einige Zeit, um in den Blutkreislauf zu gelangen. Diese Tatsache ist für Patienten besonders bei kurzwirksamen Insulinen relevant. Diese Zeitverzögerung wird dadurch kompensiert, dass der Diabetiker zunächst Insulin spritzt und erst dann – nach Ablauf eines so genannten Spritz-Ess-Abstandes – seine Mahlzeit zu sich nimmt. Der Betroffene muss also sorgfältig planen, wann und wie viel er zu essen beabsichtigt. Hält er sich aus irgendwelchen Gründen nach dem Spritzen des Insulins nicht an die vorgesehene Mahlzeit, kann es unter anderem zu einer Unterzuckerung kommen. Vor allem Kinder mit Diabetes und Diabetiker, die unregelmäßig essen wollen, appetitlos sind oder an Übelkeit leiden, empfinden die Insulinspritze daher als Einschränkung ihres Alltags.
Moderne Insuline können mehr
Eigentlich sollte man meinen, das Spritzen von Humaninsulin wäre das Beste für den Zuckerkranken – wäre da nicht die Sache mit der erwähnten langsamen Aufnahme in die -Blutbahn, die einen Spritz-Ess-Abstand i.d.R. erforderlich macht. Seit dem Jahre 1996 stehen kurzwirksame Insulinanaloga zur Verfügung. Ihre Wirkung setzt bereits nach 10 bis 20 Minuten ein und ist von kürzerer Dauer; im Vergleich zum natürlichen Humaninsulin. Damit sind gleich zwei Vorteile verbunden. Zum entfällt in der Regel der Spritz-Ess-Abstand – bei Bedarf kann sogar kurz nach Beginn der Mahlzeit gespritzt werden. Zum anderen wird die Wirkung des Insulins zeitlich enger begrenzt, wodurch die Gefahr von Unterzuckerungen vermindert wird. Darüber hinaus entfalten zumindest einige langwirksame Insulinanaloga, die als Basisinsuline Verwendung finden, zusätzlich vorteilhafte Effekte auf den Organismus. Forscher haben zeigen können, dass das Körpergewicht unter Gaben langwirksamer Insulinanaloga bei Diabetikern weniger stark zunimmt, als bei jenen, die herkömmliches Insulin spritzen. (08/07)

Hinweis: adaptierte Grafik nach Polansky K.S. et al., NEJM 1988;31.8.; 1231-1239Zur Simulation des natürlichen Tagesverlaufs der Insulinfreisetzung können lang- und kurzwirksame Insulinanaloga dem Typ 2 Diabetes-Patienten eine wertvolle Hilfe sein.
Raslova K, et.al: Insulin detemir and insulin aspart: a promising basal-bolus regimen for type 2 diabetes. Diabetes Research and Clinical Practice 2004; 66:193-201
Haak T, et al.: Lower within-subject variability of fasting blood glucose and reduced weight gain with insulin detemir compared to NPH insulin in patients with type 2 diabetes. Diabetes, Obesity and Metabolism 2005; 7:56-64
Hermansen K, et al.: A 26-week randomized, parallel, treat to target trial comparing insulin detemir with NPH-insulin as add-on therapy to glucose lowering drugs in insulin-naïve people with type 2 diabetes. Diabetes Care 2006; 29:1269-1274
Rosenstock J. et al: Basal insulin therapy in type 2 diabetes: 28-week comparison of insuline glargine and NPH insulin. Diabetes Care 2001; 24:631-636
Hand in Hand arbeiten
In den meisten Fällen geht der Diabetes Typ 2 mit typischen "Zivilisations-Krankheiten" wie Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck einher. Als erster wurde der Forscher G. REAVEN im Jahre 1988 auf das gehäufte Zusammentreffen dieser vier Erkrankungen aufmerksam. Er gab dieser merkwürdigen Konstellation zunächst den Namen "Syndrom X". Inzwischen hat sich die Bezeichnung "Metabolisches Syndrom" eingebürgert.
Gefährliche Folgen
Die Folgeschäden des Diabetes sind gefürchtet. Sie können nur vermieden werden, wenn der Diabetes wirksam und dauerhaft behandelt wird. Es gilt inzwischen als gesichert, dass zu hohe Blutzuckerspiegel gewissermaßen "Gift" für den Körper sind. Sie verursachen Schäden an den Innenwänden der Blutgefäße, die zu Durchblutungsproblemen an Herz, Gehirn und Nieren führen können. Der im Blut übermäßig vorhandene Zucker dringt in die Organe und Gewebe des Körpers ein und verbindet sich mit dem hier enthaltenen roten Blutfarbstoff (Hämoglobin). Dort verbindet er sich mit wichtigen Strukturen und schädigt bestimmte Funktionen von Zellen, z.B. von Nervenzellen, Nierenzellen oder Schwellen. Als Resultat können mit der Zeit schwere Störungen der Nieren, der Nerven oder der Augen entstehen. Darüber hinaus verbindet sich der Blutzucker mit dem roten Blutfarbstoff. Die Verzuckerung des Hämoglobins lässt sich im Übrigen gut messen und ist ein wichtiges Qualitätskriterium für die Güte der Blutzuckereinstellung. Den dabei gemessenen Wert bezeichnet man als HbA1c-Wert. Bei einem gut eingestellten Diabetiker sollte er stets unter 6,5 Prozent liegen.
Wenn Insulin erforderlich wird
Viele Patienten mit Diabetes haben ihre Erkrankung durch die tägliche Einnahme oraler Antidiabetika gut unter Kontrolle. Sie sichert in vielen Fällen eine akzeptable Blutzuckereinstellung und eine gute Lebensqualität. Dennoch sehen sich viele Diabetiker mit der Zeit, oft Jahre später, mit der Notwendigkeit konfrontiert, Insulin spritzen zu müssen. Verständlicherweise ist das für den Betroffenen häufig ein schwerer Schritt. Später zeigt sich jedoch, dass die Insulinspritze sich gut in das Alltagsleben integrieren lässt. Die moderne Diabetestherapie hat sich nämlich dem Credo verschrieben, die Insulinspritze dem Leben des Patienten anzupassen und letzteres eben nicht dem Rhythmus der Spritze unterzuordnen. Möglich wurde dies unter anderem durch die Entwicklung bestimmter abgewandelter Insuline, die sich in ihrer chemischen Struktur nur geringfügig vom körpereigenen Insulin unterscheiden und als Insulinanaloga oder moderne Insuline bezeichnet werden.
Der Haken mit dem Spritz-Ess-Abstand
Bei gesunden Menschen werden in Nüchternphasen ständig kleine Insulinmengen aus der Bauchspeicheldrüse abgegeben. Nach einer Mahlzeit kommt es hingegen zur Freisetzung einer größeren Insulinmenge, die auf Art und Menge der aufgenommenen Nahrung, insbesondere Kohlenhydrate, angepasst wird.
Diabetiker müssen diese physiologische ("natürliche") Insulinfreisetzung durch das Spritzen von Insulin simulieren. Deshalb benötigen sie eine Art "Basisinsulin" und zu den Mahlzeiten ein "kurzwirksames" Insulin. Insulin wird in der Regel in das Unterhautgewebe gespritzt. Von dort benötigt es einige Zeit, um in den Blutkreislauf zu gelangen. Diese Tatsache ist für Patienten besonders bei kurzwirksamen Insulinen relevant. Diese Zeitverzögerung wird dadurch kompensiert, dass der Diabetiker zunächst Insulin spritzt und erst dann – nach Ablauf eines so genannten Spritz-Ess-Abstandes – seine Mahlzeit zu sich nimmt. Der Betroffene muss also sorgfältig planen, wann und wie viel er zu essen beabsichtigt. Hält er sich aus irgendwelchen Gründen nach dem Spritzen des Insulins nicht an die vorgesehene Mahlzeit, kann es unter anderem zu einer Unterzuckerung kommen. Vor allem Kinder mit Diabetes und Diabetiker, die unregelmäßig essen wollen, appetitlos sind oder an Übelkeit leiden, empfinden die Insulinspritze daher als Einschränkung ihres Alltags.
Moderne Insuline können mehr
Eigentlich sollte man meinen, das Spritzen von Humaninsulin wäre das Beste für den Zuckerkranken – wäre da nicht die Sache mit der erwähnten langsamen Aufnahme in die -Blutbahn, die einen Spritz-Ess-Abstand i.d.R. erforderlich macht. Seit dem Jahre 1996 stehen kurzwirksame Insulinanaloga zur Verfügung. Ihre Wirkung setzt bereits nach 10 bis 20 Minuten ein und ist von kürzerer Dauer; im Vergleich zum natürlichen Humaninsulin. Damit sind gleich zwei Vorteile verbunden. Zum entfällt in der Regel der Spritz-Ess-Abstand – bei Bedarf kann sogar kurz nach Beginn der Mahlzeit gespritzt werden. Zum anderen wird die Wirkung des Insulins zeitlich enger begrenzt, wodurch die Gefahr von Unterzuckerungen vermindert wird. Darüber hinaus entfalten zumindest einige langwirksame Insulinanaloga, die als Basisinsuline Verwendung finden, zusätzlich vorteilhafte Effekte auf den Organismus. Forscher haben zeigen können, dass das Körpergewicht unter Gaben langwirksamer Insulinanaloga bei Diabetikern weniger stark zunimmt, als bei jenen, die herkömmliches Insulin spritzen. (08/07)

Hinweis: adaptierte Grafik nach Polansky K.S. et al., NEJM 1988;31.8.; 1231-1239Zur Simulation des natürlichen Tagesverlaufs der Insulinfreisetzung können lang- und kurzwirksame Insulinanaloga dem Typ 2 Diabetes-Patienten eine wertvolle Hilfe sein.
Raslova K, et.al: Insulin detemir and insulin aspart: a promising basal-bolus regimen for type 2 diabetes. Diabetes Research and Clinical Practice 2004; 66:193-201
Haak T, et al.: Lower within-subject variability of fasting blood glucose and reduced weight gain with insulin detemir compared to NPH insulin in patients with type 2 diabetes. Diabetes, Obesity and Metabolism 2005; 7:56-64
Hermansen K, et al.: A 26-week randomized, parallel, treat to target trial comparing insulin detemir with NPH-insulin as add-on therapy to glucose lowering drugs in insulin-naïve people with type 2 diabetes. Diabetes Care 2006; 29:1269-1274
Rosenstock J. et al: Basal insulin therapy in type 2 diabetes: 28-week comparison of insuline glargine and NPH insulin. Diabetes Care 2001; 24:631-636
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