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Krebs: Roche in der Entwicklung neuer Therapieformen erfolgreich

Roche hat sich dem Kampf gegen Krebs verschrieben. Ob Brustkrebs, Darmkrebs, Magenkrebs, Pankreaskrebs, Lungenkrebs, Nierenzell- und Leberkrebs – das Unternehmen mit Sitz im süddeutschen Grenzach-Wyhlen und seine Mutter in Basel haben ihre Forschung auf die Bekämpfung dieser Geißeln unserer Zeit ausgerichtet. Die Jahrestagung 2007 der American Society of Clinical Oncology, kurz ASCO genannt, ist mit mehr als 13 000 Teilnehmern aus der ganzen Welt der zur Zeit bedeutenste Krebskongreß der Welt. Diese jährliche Experten-Tagung in den USA bietet Dr. Hagen Pfundner, Vorstandsmitglied der Roche Deutschland Holding GmbH, genug Anlaß für ein Status Quo.

Vor dem Hintergrund wissenschaftlich anerkannter internationaler Studien in den genannten onkologischen Krankheitsbereichen sieht Dr. Pfundner zukünftige Erfolge einer Krebsbehandlung vor allem in einer verfeinerten Vorgehensweise in der Medizin, die zwei wesentliche Komplexe abdeckt:
  • Targeted Therapy
    die Therapie, die biologische Substanzen nutzt, um direkt in den entarteten Stoffwechsel von Zellen hilfreich einzugreifen
  • Personalisierte Medizin
    eine Medizin, die mit Biomarkern eine Gewebsdiagnostik ermöglicht, mit der die Erfolge gezielter und auch individueller Behandlungen von Krebspatienten vorhersehbar werden

Nach den Worten von Dr. Wolfgang Dietrich, Geschäftsbereichsleiter Onkologie, Hämatologie und Rheumatologie, wird eine personalisierte, zielgerichtete Therapie in Zukunft den Medizinern erlauben, das teure Behandlungsmodell einer "one-size-for-all"-Therapie zu verlassen. Mit der personalisierten Medizin wird es möglich sein,
  • genetische Patienten-Profile zur Identifizierung der Therapie Targets zu definieren
  • Diagnosen mit Biomarkern verlässlich zu stellen
  • Arzneimittel für eine individualisierte Therapie zu entwickeln.

Dietrich betont, dass "personalisierte Medizin" aber keineswegs die individuelle Therapie von Einzelpersonen meint, sondern vielmehr die Optimierung der Behandlung durch die Zuordnung des Patienten zu Gruppen. "Es wird Patientengruppen geben, für die unterschiedliche Therapieleitlinien gelten, für die die Behandlungserfolge weitestgehend definiert sind."

Darmkrebs: Verbesserung der Lebensqualität durch Tabletten-Einnahme bei identischem Therapieerfolg
Eine internationale Studie hat gezeigt, dass XELOX, die Kombination des oralen Fluoropyrimidins Xeloda® (Capecitabin) mit Oxaliplatin i.v., mindestens genauso wirksam ist wie die Infusion mit derzeitigen Standardchemotherapeutika. XELOX führt bei identischem Therapieerfolg zu einer eindeutigen Verbesserung der Lebensqualität. Für den Patienten bieten sich folgende Vorteile:
  • Verkürzung der Infusionsdauer
  • Einsparung von Fahrt- und Wartezeiten und
  • Reduktion der Anzahl der Arzttermine auf 7 bis 9 statt bisher 22 bis 27 Klinikaufenthalten

"Diese Ergebnisse zeigen deutlich", so PD Dr. med. Peter Reichardt, Helios Klinikum Bad Saarow, "wie sehr die Lebensqualität von Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom verbessert werden kann. Weshalb sollten wir unseren Patienten weiterhin belastende Infusionsbehandlungen zumuten."

Roche hat in Europa bereits die Erweiterung der Zulassung von Xeloda in Kombination mit anderen Chemotherapeutika und mit Avastin als First-Line- und Second-Line-Therapie bei metastasiertem kolorektalen Karzinom beantragt.

Fortgeschrittener Magenkrebs: Europaweite Zulassung
Seit Anfang April 2007 liegt die europaweite Zulassung von Xeloda für die First-Line-Therapie des fortgeschrittenen Magenkarzinoms vor. Unannehmlichkeiten und Komplikationen, die mit der bisherigen Dauerinfusion verbunden sind, können auch bei dieser Krebsart vermieden werden.

Pankreaskarzinom – 10-jähriger Therapiestillstand überwunden
Nach langem therapeutischen Stillstand brachte der orale EGFR-Inhibitor Tarceva® (Erlotinib) beim metastasierten Pankreaskarzinom jetzt die Wende: Erstmals seit zehn Jahren konnte bei dieser äußerst aggressiven Krebsart eine eindeutige Überlebenszeitverlängerung dokumentiert werden. Das führte im Januar 2007 zur Zulassung von Tarceva zur Therapie beim metastasierten Pankreaskarzinom. Der EGFR-Inhibitor Tarceva, der sich in der Second-Line-Therapie des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) etabliert hat, steht nun gegen eine weitere, sehr aggressive Krebsart zur Verfügung.

Mammakarzinom – überzeugende Therapiekonzepte mit Bondronat®, Herceptin® und Xeloda®
Bondronat® – jetzt auch als Kurzinfusion verfügbar
Eine Studie konnte jetzt zeigen, dass Ibandronat in der Verabreichung als 15-Minuten-Infusion eine vergleichbar gute Wirksamkeit und ein vergleichbares renales Verträglichkeitsprofil aufweist wie bei der Verabreichung der gleichen Dosis als 60-Minuten-Infusion.

Die zweite, auf dem ASCO präsentierte ARIBON-Studie konnte zeigen, dass sich Knochenverlust verhindern läßt.

Herceptin® - Goldstandard beim HER2-positiven Mammakarzinom
Vor etwa einem Jahr wurde der monoklonale Antikörper Herceptin® (Trastuzumab)in der Europäischen Union zur Behandlung von HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium zugelassen. Alle Frauen – unabhängig von Alter, Lymphknoten- und Hormonstatus oder Tumorgröße - profitierten von der Kombination mit Trastuzumab. Wie das 5-Jahres-Update zur kardialen Dysfunktion in der Studie B-31 zeigte, wird nach Ablauf des ersten Jahres nur noch sehr selten ein kardiales Ereignis beobachtet.

Zur First-Line-Therapie des metastasierten Mammakarzinoms ist Herceptin schon seit dem Jahr 2000 zugelassen. Pertuzumab ist ein neuer, ebenfalls von Roche entwickelter monoklonaler Antikörper, der an den HER2-Rezeptor bindet und so die Fähigkeit von HER2, mit anderen HER-Rezeptoren zu interagieren, blockiert (HERD-imerisierungs-Inhibitor). Die Daten einer doppelten Antikörpertherapie bei vorbehandelten Hochrisikopatientinnen sind bei sehr guter Verträglichkeit aussichtsreich.

Metastasierten Mammakarzinom: Tabletten statt Chemo
Zur Therapie des Paclitaxel- und Anthrazyklinresistenten metastasierten Mammakarzinoms ist Xeloda® (Capecitabin) als Monotherapeutikum in mehr als 50 Ländern zugelassen und gilt heute als Referenztherapie. Keine andere Substanz hat bei mit Taxanen vorbehandelten Patientinnen konsistent eine so hohe Wirksamkeit gezeigt. Eine aktuelle, randomisierte Phase-III-Studie konnte jetzt zeigen, dass die orale Capecitabin-Monotherapie in der First Line bei Frauen, bei denen eine intensive Chemotherapie nicht indiziert ist, zu signifikant längeren Überlebenszeiten führt als die klassische CMF-Therapie (Cyclophosphamid, Methotrexat, 5-Fluorouracil).

Aufgrund der flexiblen oralen Einnahme zu Hause, der guten Verträglichkeit und des fehlenden Haarausfalls kann Capecitabin die Lebensqualität der Patientinnen deutlich erhöhen, was eine aktuelle Patientenbefragung bestätigte.

Avastin® zur First-Line-Therapie des metastasierten Mammakarzinoms
Seit März 2007 ist der Angiogenese-Hemmer Avastin® (Bevacizumab)in der Europäischen Union zur First-Line-Therapie des metastasierten Mammakarzinoms zugelassen, kombiniert mit dem
Chemotherapeutikum Paclitaxel.

Die Verträglichkeit der Kombination Paclitaxel/Bevacizumab gilt es zu nutzen und sowohl im metastasierten als auch im adjuvanten Setting weiter auszubauen, um die Überlebenszeiten der Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs zu verlängern und letztlich auch die Heilungschancen im Frühstadium zu steigern.

Bronchialkarzinom: Klinischer Nutzen von Avastin® im fortgeschrittenen Stadium bestätigt
Die AVAiL (Avastin in Lung)- Studie belegt den klinischen Nutzen des Angiogenese-Hemmers Avastin® (Bevacizumab) beim fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC).

Wie Dr. med. Ulrich Gatzemeier, Großhansdorf, ausführte, zeigte sich der Benefit in allen vorab definierten Subgruppen. Auch die Ansprechrate war unter der Kombination mit Bevacizumab signifikant höher als unter der alleinigen Chemotherapie.

AVAiL bestätigt, daß in Kombination mit einer Chemotherapie in der First-Line-Behandlung des NSCLC eine signifikante Überlebensverlängerung erzielt werden kann.

Damit ist es nach über einer Dekade gelungen, beim fortgeschrittenen NSCLC eine signifikante Überlebensverlängerung von 20% zu erzielen. In den USA wurde die Zulassung für Bevacizumab in Kombination mit einer Chemotherapie zur First-Line-Behandlung des NSCLC ohne Plattenepithelhistologie bereits im Oktober 2006 erteilt, in Deutschland wird sie für das 2. Halbjahr 2007 erwartet.

Bronchialkarzinom: Studie bestätigt Wirksamkeit von Tarceva® im klinischen Alltag
In einer multizentrischen, die zur Zulassung von Tarceva® (Erlotinib) beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) führte, konnte eine Verlängerung des Gesamtüberlebens und die Verbesserung Lebensqualität belegt werden.

Non-Hodgkin-Lymphom – Erhöhte Heilungschancen mit MabThera®
Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) ist das häufigste der aggressiven Non-Hodgkin-Lymphome (NHL). Unbehandelt führt es innerhalb weniger Monate zum Tod. Mit der Kombinationschemotherapie CHOP (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison) gelang vor 30 Jahren ein erster Durchbruch. In den Jahrzehnten danach ließ sich aber kein weiterer Fortschritt erzielen. Erst durch die Entwicklung von MabThera® (Rituximab), einem monoklonalen Antikörper, der sich gegen das CD-20-Antigen auf der Oberfläche der Lymphomzellen richtet, konnte die Heilungsrate deutlich erhöht und damit ein neuer Meilenstein gesetzt werden.

Eine aktuelle Folgeanalyse konnte jetzt zeigen, dass sieben Jahre nach Studienabschluss 53% der mit MabThera plus CHOP behandelten Patienten immer noch am Leben sind – gegenüber nur 36% der Patienten, die ausschließlich CHOP erhielten. Dies bedeutet eine Steigerung der Heilungsrate um 47% durch die Kombination mit MabThera.

Auch beim follikulären Lymphom konnte mit Rituximab nach mehr als 30-jährigem Stillstand ein großer Durchbruch erzielt werden. Bis vor kurzem betrug die Lebensdauer der Betroffenen trotz Therapie nur ca. sieben bis zehn Jahre. Die vier durchgeführten Studien zeigten alle eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens durch die Kombination der Chemotherapie mit Rituximab. Darüber hinaus ist erwiesen, dass Patienten mit rezidiviertem follikulären Lymphom, die Rituximab im Anschluss an die Induktionstherapie während weiterer zwei Jahre zur Remissionserhaltung erhalten, länger leben als Patienten, die nach erfolgreicher Remissionsinduktion nur nachbeobachtet werden.

Nierenzellkarzinom – Avastin® verlängert das progressionsfreie
Überleben

Bei Patienten mit metastasiertem, klarzelligem Nierenzellkarzinom wird die progressionsfreie Überlebenszeit mit Bevacizumab annähernd verdoppelt. Dies ist das wichtigste Ergebnis der AVOREN-Studie, die auf dem diesjährigen ASCO erstmals präsentiert wurde und die zur Zulassung von Bevacizumab in der First-Line-Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms eingereicht ist.

Diese Entwicklung stellt einen Meilenstein in der Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms dar und bietet den Patienten neue Hoffnung. Bislang waren die therapeutischen Möglichkeiten mit einer 5-Jahres-Überlebensrate unter 5% sehr begrenzt. Außerdem ist dies die erste Studie, die zeigen konnte, dass Bevacizumab auch in Kombination mit einem Immuntherapeutikum einen hohen klinischen Nutzen entfaltet.

Angiogenese-Hemmung mit Avastin® – ein Pantumor-Therapiekonzept
Der Angiogenese-Hemmer Avastin® (Bevacizumab) verlängert das Gesamtüberleben von Patienten mit Darmkrebs und Lungenkrebs signifikant und verdoppelt das progressionsfreie Überleben von Patienten mit Brustkrebs und Nierenzellkarzinom. Das Prinzip der Anti-Angiogenese hat sich somit bei vier Tumorentitäten als hochwirksames Therapieprinzip erwiesen. Diese Daten erlauben es, bei Bevacizumab von einem „Pan-Tumor“-Konzept zu sprechen. Darüber hinaus wird Bevacizumab derzeit beim Pankreaskarzinom, beim Magenkarzinom, beim Ovarialkarzinom, beim Prostatakarzinom und weiteren Tumoren klinisch geprüft.

Das Wirkprinzip von Bevacizumab macht verständlich, weshalb der Angiogenese-Hemmer bei so vielen Tumorentitäten einen hohen klinischen Nutzen bieten kann. Bevacizumab bindet und neutralisiert den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor), der die Schlüsselrolle bei der Tumor-Angiogenese spielt.

Das Abfangen des VEGF wirkt dreifach auf die Tumorblutgefäße
  • Rückbildung unreifer Blutgefäße
  • Normalisierung der Permeabilität der Blutgefäße
  • Hemmung der Blutgefäßneubildung.

Die Rückbildung bereits bestehender unreifer, VEGF-abhängiger Blutgefäße führt zu einer Unterversorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen. Die Normalisierung der Permeabilität der Blutgefäße lässt den interstitiellen Druck sinken und die in Kombination mit Bevacizumab eingesetzten Zytostatika erreichen den Tumor in höherer Konzentration. Schließlich kann durch die kontinuierliche Hemmung der Blutgefäßneubildung das Tumorwachstum und die Tumorprogression verzögert werden. Diese Wirkmechanismen legen nahe, so Prof. Wolf, Köln, dass Bevacizumab bei zahlreichen Tumorentitäten und nicht nur im metastasierten, sondern auch im neoadjuvanten und adjuvanten Setting wirksam sein dürfte.

Nicht nur die Zahl der auf der diesjährigen Jahrestagung der ASCO vorgestellten Studien bei den genannten Krankheitsbildern sondern vor allem auch die Verläufe der neuen Therapieansätze zeigen, daß Krebspatienten in Zukunft weitreichendere medizinische Hilfe bei deutlich verbesserter Lebensqualität erwarten können.

Die bisher erzielten Erfolge lassen sich nicht nur durch Studien belegen sondern vor allem auch durch weltweite Zulassungen innovativer Krebsmedikamente. Bestimmte Weiterentwicklungen haben das Potential zu neuen Gold-Standards in der Medizin, Medikamente, die von Expertengremien in Therapie-Leitlinien zum Standard erhoben werden.

Für Roche lassen sich die erreichten Meilensteine sicherlich als Durchbruch in der Onkologie in Richtung einer gewebsdiagnostisch gestützten Targeted Therapy bezeichnen. (Dr. Joachim Wolff, MEDIZIN ASPEKTE)

Einen ausführlicheren Bericht finden Sie in unserem Journal ARZT ASPEKTE.


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Quelle:
Post-ASCO 2007, Aktuelle Berichterstattung zu fortschrittlicher Krebstherapie, Pressekonferenz der Roche Pharma AG,
28.06.07, Köln

Referenten
Dr. Hagen Pfundner, Grenzach-Wyhlen
Dr. Wolfgang Dietrich, Grenzach-Wyhlen
PD Dr. Peter Reichardt, Bad Saarow
Prof. Dr. Nadia Harbeck, München
Dr. Ulrich Gatzemeier, Großansdorf
Prof. Dr. Jürgen Wolf, Köln





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