Multiple Sklerose – auf Veränderungen bei Gedächtnisleistungen achten

Multiple Sklerose (MS) frühzeitig erkennen und behandeln

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine neuroimmunologische Krankheit, an der etwa 120.000 Menschen in Deutschland leiden. Typisch für die Multiple Sklerose ist der im Verborgenen schleichende Verlauf der Krankheit und das Auftreten von äußerlich wahrnehmbaren MS Symptom-Schüben. Diese gehen bei der Multiplen Sklerose mit zunehmenden Störungen von Gedächtnisleistungen einher.

Anläßlich des 80. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) berichteten in Berlin führende Mediziner während des Satellitensymposiums zum Thema „Früher und weiter bei MS – den Vorsprung ausbauen: Neues aus Klinik und Forschung“ über Ihre Studien und Erfahrungen.


Video links: Neues zur Diagnose der Multiplen Sklerose; PD. Dr. med. M. Haupts (Flash-Datei)
Video rechts: Problematik der Diagnostik kognitiver Störungen bei MS-Patienten; Prof. Dr. med. U. Zettl (Flash-Datei)

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Die Altersspanne der erstmalig von Multiple Sklerose Betroffenen ist groß, da sowohl bei jungen Personen nach der Pubertät als auch nach dem 50-sten Lebensjahr erste Schübe auftreten können. Wie PD Dr. Michael Haupts, Zentrum für Medizinische Rehabilitation Bielefeld, über seinen Untersuchungen vortrug, können bereits im frühen Stadium der Multiplen Sklerose typische Veränderungen der Hinrsubstanz durch moderne bildgebende Verfahren festgestellt werden. Hier steht die MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie, auch als Kernspintomographie bezeichnet) im Vordergrund. Veränderungen in der Zellzahl bestimmter Hirnbereiche und des Hirnvolumens lassen sich mit diesem Verfahren eindeutig nachweisen.

Bei der Multiplen Sklerose ist besonders das Corpus Callosum betroffen, ein Bündel aus Nervenfasern, die den Datenaustausch zwischen beiden Hirnhälften unseres Gehirns sicherstellen. Veränderungen in diesem Hirnbereich sind bei MS Patienten bereits im Frühstadium gravierend und lassen sich auch über kurze Zeitabstände von sechs Monaten dokumentieren. Es scheint damit im Gehirn bei der MS unterschwellige frühe Veränderungen zu geben, die bislang diagnostisch nicht genutzt werden und möglicherweise das Potenzial bieten, die Diagnostik und vor allem die Frühdiagnostik der Multiplen Sklerose entscheidend zu verbessern.

In der Folge der Veränderungen des Gehirns kommt es bei MS Patienten zu erkennbaren Veränderungen in der Weiterleitung von Impulsen und damit zu Veränderungen der Gedächnisleistungen. Die bewußte sowie unbewußte Aufnahme und Verarbeitung von äußeren Signalen wird gestört, ebenso wie die Reaktion der Betroffenen. Der Neurologe spricht bei diesen veränderten Gedächtnisleistungen von kognitiven Störungen.

Rund 65 Prozent der Patienten erleiden im Verlaufe der Erkrankung kognitive Einbußen. „Das wurde und wird bislang noch zu wenig beachtet", erklärte Professor Dr. Uwe K. Zettl aus Rostock. Im Vordergrund stehen laut Zettl Teilleistungsstörungen, wobei vor allem das Gedächtnis, speziell das Arbeits- und Kurzzeitgedächtnis, betroffen ist. Auch Schwächen in den exekutiven Funktionen, wie die Strategiebildung und Planung werden vermehrt registriert. Es kommt häufig zu Aufmerksamkeitsstörungen und zu einer Fatigue, also zu einer deutlich erhöhten körperlichen sowie psychischen Erschöpfbarkeit.



Kognitive Störungen bei MS Patienten: Nicht sprachliche Probleme sondern insbesondere Beeinträchtigungen des Gedächtnisses und des Lernens werden bei MS-Patienten festgestellt; Quelle: Limmroth et al. 2001, Zettl et al. 2007

Nach den aktuellen Leitlinien der DGN sind therapeutisch zwei Strategien zu verfolgen:
  • Es sollte stets versucht werden, durch eine immunmodulatorische Behandlung den Krankheitsverlauf insgesamt aufzuhalten und damit auch der Entwicklung kognitiver Störungen entgegen zu wirken. Nach Meinung der Mediziner wirkt sich eine frühe Therapie mit einem speziellen Interferon, dem Interferon Beta-1b positiv auf die Kognition aus. Auch der Prozess der Atrophie (Abbau/Rückbildung) des Hirns kann nach Haupts durch eine Interferonbehandlung stabilisiert und die Atrophieentwicklung abgemildert werden.
  • Wichtig ist ferner ein kognitives Training, um die normalen Fähigkeiten zu erhalten. Durch das kognitive Trainning lassen sich zusätzliche Probleme durch die Wahrnehmung der Störungen und eine möglicherweise depressive Verarbeitung verhindern.

Die Ergebnisse des Symposiums belegen, dass eine frühzeitige Therapie der Multiplen Sklerose in der Hand des erfahrenen Neurologen die Auswirkungen der MS erheblich verzögern kann. (Dr. Joachim Wolff, MEDIZIN ASPEKTE)

Quelle:
Berlin 13.09.2007
Satellitensymposium des 80. Kongresses der
Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Thema: Früher und weiter bei MS – den Vorsprung ausbauen: Neues aus Klinik und Forschung
Veranstalter: Bayer HealthCare
Referenten:
  • H.-P. Hartung, Düsseldorf
  • M. Haupts, Bielefeld
  • N. Sommer, Marburg
  • U. Zettl, Rostock


Weitere Informationen:
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