Grippe: Müssen wir mit einer Pandemie rechnen? Sind Vorsorgemaßnahmen in Unternehmen wichtig?

Grippe: Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnen mit einer Influenza-Pandemie. „Niemand kann jedoch vorhersagen, wann sie eintrifft“, so Prof. Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Universität Halle Wittenberg. Aus der Historie läßt sich ablesen, dass weltweit bedrohliche Influenza-Ausbrüche etwa alle 10 bis 40 Jahre entstehen. Unter Berücksichtigung, daß seit der letzten Pandemie, der Hongkong-Grippe von 1968, nunmehr knapp 40 Jahre vergangen sind, ist nach statistischen Regeln eine neue Pandemie längst überfällig. Kein Grund zur Panik, aber Grund genug, sich intensiv mit dem Thema Grippe-Vorsorge auseinanderzusetzen.

Voraussetzung einer Pandemie ist ein neuer Influenza-Virus-Typ, der den Forschern noch nicht bekannt und gegen den die Bevölkerung noch nicht immun ist. Ausgang aller bisherigen Influenza-Pandemien waren Virus-Stämme, die von Vögeln übertragen wurden. Der uns aus den vergangenen Jahren bekannte Vogelgrippe-Virus H5N1 erfüllt bereits zwei von drei Kriterien der WHO für ein so genanntes pandemisches Virus:
  1. die genetische Veränderung
  2. die starke virulente Wirkung



Modell eines Influenza-Virus (Quelle: Roche)

Was ihm noch fehlt, ist die leichte Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch. Mutationen, die in Zellteilungszyklen nichts außergewöhnliches sind, können schnell zu dieser leichten Übertragbarkeit führen. Es besteht kein Zweifel, daß sich dann aus einer regionalen Grippe-Epidemie ein rasch weltumspannender Infektionsverlauf, Kennzeichen der Pandemie, entwickelt. Der zu erwartende weltwirtschaftliche Schaden wird gigantisch sein. Im Fall einer Pandemie rechnet die Marsh/ Albright-Gruppe, eine Unternehmensberatergruppe, dass 20% der Bevölkerung betroffen sein werden. In den Firmen ist mit einem Arbeitsausfall von 40 % aller Mitarbeiter und weltwirtschaftlichen Kosten von bis zu 4,4 Billionen US-Dollar zu rechnen.

Aber auch die saisonale Influenza, die uns alljährlich zwischen Oktober und April heimsucht, und Tausende Erkrankte mit sich bringt, stellt nicht nur eine extreme Belastung unseres Gesundheitssystems dar. Vielmehr schädigt bereits jede Grippewelle auch die Unternehmen mit einem zehnprozentigen Anteil an den Fehlzeiten am Arbeitsplatz. So lautet das Ergebnis der am 27. September 2007 veröffentlichten Studie der Marsh/ Albright-Gruppe zur Risikobeurteilung einer Pandemie für Unternehmen. Nach dieser Studie müssen Unternehmen pro erkranktem Arbeitnehmer bis zu 600,- Euro zusätzliche betriebliche Kosten veranschlagen.

Pandemieplan für Unternehmen
Soweit die wirtschaftlichen Szenarien. Was aber kann ein Unternehmen zum Schutz seiner Mitarbeiter tun? Der Krisenfall lässt sich nicht verhindern, aber mit guten Vorsorgemaßnahmen lassen sich die Auswirkungen abfedern und Reaktionszeiten verkürzen. Unternehmenseigene Notfallpläne helfen, die Produktion auch im Krisenfall aufrechtzuerhalten oder, wenn nötig, kontrolliert herunter zu fahren, um Mitarbeitern und Unternehmen den größtmöglichen Schutz zu gewähren.

Da im Frühstadium die Behandlung der Grippe mit Neuraminidasehemmern möglich ist, gehört nach derzeitigen Erkenntnissen zumindest die rechtzeitige Therapie von Entscheidungsträgern, wichtigen Berufsgruppen bzw. MitarbeiterInnen in jeden Pandemieplan. Ob die Bevorratung mit antiviralen Medikamenten zur Therapie und Prophylaxe eine sinnvolle betriebliche Massnahme ist, muß in jedem Einzelfall diskutiert werden.

Neurominidasehemmer blockieren die Vermehrung der Grippe-Viren
Neurominidasehemmer sind gegen alle klinisch bedeutsamen Grippeviren wirksam. Sie blockieren die Wirkung des Enzyms Neuraminidase auf der Oberfläche des Virus. Wird die Neuraminidase gehemmt, kann sich das Virus nicht weiter im Körper ausbreiten und Zellen infizieren. Dies ermöglicht eine kausale Therapie: Angriffsziel ist das Virus selbst.

Schwere und Dauer der Grippe werden so reduziert. Derzeit liegt der Neuraminidasehemmer in zwei Darreichungsformen vor, mit Oseltamivir gibt es sogar einen Wirkstoff, der oral eingenommen wird und der für die Behandlung und Vorbeugung der Grippe bei Erwachsenen und Kindern ab 1 Jahr zugelassen ist.

Quelle
Presseveranstaltung
„Influenza – Von der Epidemie zur Pandemie
Vernachlässigen wir die Gefahr vor der eigenen Haustür?“
Veranstalter: Roche Pharma AG
München, 21.11.2007

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