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Influenza: Die Therapie von Virenerkrankungen mit Oseltamivir bei verschiedenen Alters- und speziellen Bevölkerungsgruppen

Influenzaerkrankungen können sehr unterschiedlich verlaufen. Jeder fünfte Patient entwickelt Folgekomplikationen, manchmal mit tödlichem Ausgang. (1) Komplikationen durch sekundäre bakterielle Pneumonien, Sinusitis, Bronchitis oder Otis media treten zwar vor allem bei Personen mit relativ schwachem Immunsystem, wie Kindern, älteren Menschen oder chronisch Kranken auf, sind aber auch bei ansonsten gesunden Erwachsenen möglich. Neue Medikamente vom Typ der Neuraminidase-Inhibitoren eröffnen jetzt erweiterte Möglichkeiten zur sicheren, wirksamen Therapie und Prophylaxe der Influenza.

Neue Optionen durch Neuraminidasehemmer
Virustatika aus der Gruppe der Neuraminidasehemmer ermöglichen erstmals die ursächliche Behand-lung aller bekannten Grippeviren der Gruppen A und B. Sie hemmen die Neuraminidase auf der Viren-oberfläche und bewirken, dass neu gebildete Viren nicht aus der Wirtszelle freigesetzt werden können. Dadurch wird die Vermehrung der Influenzaviren gestoppt und die Ausbreitung im Körper verhindert. Neuraminidasehemmer wirken am unveränderlichen aktiven Zentrum des Enzyms und sind deshalb sowohl gegen alle bekannten Influenzaviren als auch gegen unbekannte Grippeviren wirksam. Um eine optimale Wirkung zu gewährleisten, muss mit der Therapie innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der Grippesymptome begonnen werden. Im Abschnitt Wirkungsweise von Neuraminidase-Blockern können Sie sich ausführlich über die neuen Medikamente informieren.
In Deutschland ist der Neuraminidasehemmer Oseltamivir Tamiflu® zur Therapie und Prophylaxe der Influenza A und B bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr zugelassen. Das Medikament wird oral als Tablette oder Suspension verabreicht.

Bei Grippe schnell handeln
Durch eine frühzeitige Behandlung mit Oseltamivir verläuft eine Influenza weniger schwer und die Krankheitsdauer wird verkürzt. Je eher mit einer Tamiflu®-Therapie begonnen wird, desto größer ist der Nutzen für die Patienten. Studien haben gezeigt, dass bei einer Anwendung von Oseltamivir innerhalb der ersten 12 Stunden die Krankheitsdauer um fast 4 Tage verkürzt werden kann. Dies entspricht einer Verkürzung der Krankheitsdauer um 40 Prozent im Vergleich zu Plazebo. (2) In der Abbildung ist der Zusammenhang zwischen Therapiebeginn und Krankheitsdauer im Überblick dargestellt.
Durch die rechtzeitige Anwendung von Tamiflu® können außerdem bakterielle Sekundärkomplikationen wie Pneumonien oder Otis [*]media in 55 Prozent aller Fälle verhindert werden (3), was vor allem bei relativ immunschwachen Patienten wie Kindern, älteren Menschen oder Patienten mit Vorerkrankungen für die Genesung entscheidend sein kann. Aufgrund der selteneren Komplikationen sind auch weniger Antibiotika und weniger Krankenhauseinweisungen erforderlich.
Da die Schwere des Krankheitsverlaufs bei Grippe im Anfangsstadium nicht prognostiziert werden kann, sollten nicht nur Personen mit einem erhöhten Komplikationsrisiko, sondern auch ansonsten gesunde Erwachsene Tamiflu® so schnell wie möglich erhalten. Informationen zu Dosierungen und Behandlungsdauer bei verschiedenen Personengruppen finden Sie im Produktprofil Tamiflu®.

Saisonale Influenza-Prophylaxe mit Neuraminidasehemmern
Neuraminidasehemmer sind kein Ersatz für eine Grippe-Impfung, können die Vakzinierung aber wirkungsvoll ergänzen. (5) Neuraminidasehemmer können unmittelbar nach einer Grippe-Impfung im Zeitraum bis der Impfschutz eintritt (etwa 7 – 14 Tage) die Ansteckung mit Grippe verhindern. Bei Patienten, deren Immunsystem nach einer Impfung nicht in ausreichendem Maße Abwehrstoffe bildet, können Neuraminidasehemmer zusätzlichen Ansteckungsschutz gewährleisten. Dies ist häufig bei älteren oder kranken Menschen der Fall. Außerdem können Neuraminidasehemmer bei nicht geimpften Personen angewendet werden und bei Personen, die nicht geimpft werden können, z.B. aufgrund von Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffs. Die saisonale Prophylaxe mit Neuraminidasehemmern sollte auch in Betracht gezogen werden, wenn Impfstämme und aktuell grassierende Virenstämme nicht zusammenpassen und dadurch der Impfschutz vermindert ist.

Auch zur Influenza-Prophylaxe der Influenza muss mit der Einnahme der Neuraminidasehemmer möglichst frühzeitig begonnen werden. Die Wirkung einer Influenza-Impfung wird durch die Einnahme von Neuraminidasehemmern nicht beeinträchtigt.

Neuraminidasehemmer bei Kindern
Kinder sind für eine Influenzainfektion besonders anfällig, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Dabei ist das Risiko umso größer, je jünger das Kind ist. (1) Das Risiko, an einer Grippe zu erkranken, ist für Kinder dreimal so hoch wie für Erwachsene. Pro Jahr erkranken in Deutschland eines von drei Kindern und einer von 10 Erwachsenen. In der Tabelle ist die besondere Gefährdung von Kindern im Überblick dargestellt.

Tabelle: Kinder - eine besonders gefährdete Patientengruppe

Inzidenz der Influenza bei Kindern

33 Prozent

Komplikationen

14 Prozent

Davon schwere Komplikationen

30 Prozent

Quellen: 6, 7, 8




Als schwerwiegende Komplikationen treten bei Kindern vor allem vor allem unspezifische Atemwegsinfekte (62,8) und Otis media (29,7) auf. (7, 8)

Sekundärprophylaxe mit Oseltamivir in Familien
Das Risiko, an einer Grippe zu erkranken, ist in Familien mit schulpflichtigen Kindern deutlich erhöht (66 % Erkrankungsrisiko) gegenüber Familien ohne schulpflichtige Kinder (15 % Erkrankungsrisiko). Studienergebnisse belegen, dass eine vorbeugende Behandlung mit Oseltamivir in 89 % aller Fälle einen effektiven Schutz vor Ansteckung nach Kontakt mit einem Grippepatienten gewährleistet. (9)

Saisonale Prophylaxe mit Oseltamivir bei Kindern
Im Rahmen der üblichen alljährlichen Influenzaepidemie sollte sich die prophylaktische Gabe von Neuraminidasehemmern auf Kinder und Jugendliche beschränken, für die durch die STIKO aufgrund bestimmter Grunderkrankungen die jährliche Impfung empfohlen wird. Je schwerer die Grund-erkrankung und je höher das individuelle Erkrankungs- und Komplikationsrisiko eingeschätzt wird, desto eher sollte der Einsatz eines Neuraminidasehemmer erwogen werden. (10)

Neuraminidase-Inhibitoren in der Epidemie- und Pandemieplanung
Der Wirkmechanismus der Neuraminidase-Inhibitoren ermöglicht auch die sofortige Prophylaxe und Therapie bei Epidemien, die durch neue Influenza-Viren mit unbekannten antigenen Eigenschaften verursacht werden. Zur Überbrückung des Zeitraums vom Beginn einer Epidemie oder Pandemie bis zur Fertigstellung spezifischer Vakzine wird daher sowohl vom Robert-Koch-Institut als auch von der WHO die prophylaktische und therapeutische Anwendung von Oseltamivir empfohlen (11). Zudem empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Anwendung von Oseltamivir zur Therapie und Chemoprophylaxe bei Infektionen mit dem Vogelgrippevirus H5N1 (12). Da Neuraminidase-Inhibitoren als einzige Virustatika gegen alle Influenza-Viren vom Typ A und B sowie gegen tierische Grippe-Erreger wirksam sind und sofort angewendet werden können, kommt ihnen sowohl in der nationalen als auch in der internationalen Epidemie- und Pandemieplanung eine besondere Bedeutung zur Senkung von Morbidität und Mortalität zu. (P. Stölting; MEDIZIN ASPEKTE, 11/2007)

Weitere Informationen

Verwendete Literatur
  1. Roche: Influenzagrippe eine aktuelle und alljährliche Gefahr
  2. Nicholson KG, Aoki FY, Osterhaus ADME et al.: Treatment of acute Influenza: efficacy and safety of the oral neuraminidase inhibitor oseltamivir. Lancet 2000, Vol. 355, No 9218, S. 184 ff.
  3. Influenza – Was bringt die neue Therapie
  4. Roche: Influenza keine Chance geben
  5. Wutzler P., Kossow K.-D.et al.: Antiviral treatment and prophylaxis of influenza in primary care: German recommendations, Journal of Clinical Virology 31 (2004), 84 – 91
  6. Barker WH et al.: American Journal of Epidemiology 1980, 798 - 813
  7. Meier CR et al.: Eur J Clin Microbiol Infect Dis 2000, 19, 834 – 842
  8. UK-based General Practice Research Database (GPRD)
  9. Welliver R et al.: Effectiveness of oseltamivir in preventing influenza in household contacts, JAMA 2000, 285, 748 - 754
  10. Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin e.V.: Stellungnahme zur Verwendung von Neuraminidasehemmern zur Therapie und Prophylaxe bei Kindern und Jugendlichen, Stand 2003
  11. Ärzte-Zeitung, 11.12.2006: Neuraminidase-Hemmer sind Trumpf bei einer Pandemie
  12. Factsheet Tamiflu, November 2006


Fachinformaionen








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