Grippe: Prophylaxe und Behandlung der Influenza und anderer Virenerkrankungen

Grippe ist eine Erkrankung der Atemwege, die in Deutschland jedes Jahr einige tausend Todesopfer fordert. (1) Grippe wird durch Influenzaviren verursacht, die in den Atemtrakt eindringen, sich dort vermehren und zu Entzündungen führen. Die Abwehrreaktionen des Körpers verursachen die charakteristischen Grippesymptome: plötzliches hohes Fieber, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen.

Influenzaviren verändern ständig ihre Gestalt, so dass in jeder Wintersaison neue Stämme auftreten, die unser Immunsystem nicht mehr erkennen und beseitigen kann. Dadurch wird man nicht immun gegen Grippe und kann jedes Jahr neu erkranken.

Die enorme Verwandlungsfähigkeit der Influenzaviren macht die Entwicklung von wirksamen Grippemedikamenten schwierig. Bis vor kurzem konnten daher hauptsächlich die Symptome einer Influenza mit fiebersenkenden Medikamenten oder Hausmitteln gelindert werden. Neue Medikamente vom Typ der Neuraminidasehemmer ermöglichen jetzt die ursächliche Bekämpfung, indem sie die Vermehrung der Influenzaviren stoppen und so die Ausbreitung der Grippeviren im Körper verhindern. Neuraminidase-Hemmer wirken an einer Stelle des Virus, die bei allen Grippeviren gleich ist und an der keine Veränderungen möglich sind. Dadurch sind diese Medikamente gegen alle bekannten Grippeviren und sogar gegen unbekannte Grippeviren wirksam. Die Behandlung mit Neuraminidase-Hemmern muss jedoch frühzeitig, innerhalb von 48 Stunden nach Einsetzen der Symptome beginnen.

Therapie mit Neuraminidasehemmern
Durch die frühzeitige Behandlung mit Neuraminidase-Hemmern werden weniger Entzündungsstoffe freigesetzt, die die charakteristischen Grippesymptome hervorrufen. Dadurch verläuft die Grippe insgesamt milder. Die Entzündung der Luftwege ist weniger ausgeprägt, Husten und Halsschmerzen sind nicht so heftig. Die Krankheit geht schneller vorüber und Komplikationen wie Lungenentzündungen treten seltener auf. Dadurch werden weniger Antibiotika benötigt und die Patienten müssen seltener ins Krankenhaus. (2)

Oseltamivir ist ein Neuraminidase-Hemmer, der als Tablette oder Saft eingenommen werden kann. Das Medikament wird vor allem zur Behandlung und Vorbeugung von saisonaler Grippe bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr angewendet. In der Tabelle sind die positiven Auswirkungen der Grippetherapie mit Oseltamivir im Überblick dargestellt.

Tabelle: Oseltamivir - Effektiver Schutz vor Komplikationen

Komplikationen (Lungenentzündung und andere bakterielle Folgeinfektionen)

- 40 Prozent

Krankenhauseinweisungen

- 59 Prozent

Antibiotikaverbrauch

- 24 Prozent

Symptome

- 29 Prozent

Verändert nach: Roche: Tamiflu – je früher desto besser (2)



Bei Grippe möglichst schnell zum Arzt
Damit Neuraminidasehemmer optimal wirken können, muss innerhalb der ersten 48 Stunden nach Beginn der Symptome mit der Behandlung begonnen werden. Daher sollten Patienten mit Grippesymptomen so früh wie möglich den Arzt aufsuchen, so dass Oseltamivir rechtzeitig verschrieben und eingenommen werden kann.

Was Sie zusätzlich tun können
Wadenwickel, heißer Tee und fiebersenkende Schmerzmittel sind auch weiterhin wohltuende Helfer bei der Überwindung einer Grippe. Da der Körper durch Fieber und Schwitzen viel Flüssigkeit verliert, ist es wichtig, ausreichend zu trinken. Gurgeln mit Salzlösung kann die Rachenentzündung lindern. Inhalationen mit Salzlösung oder Kamillenlösung können ebenfalls zur Linderung der Entzündungs-beschwerden beitragen. Um den Körper beim Abwehr- und Heilungsprozess zu unterstützen, sollten Sie Bettruhe einhalten und sich schonen, bis die Krankheit vorüber ist. (4)

Grippe-Prophylaxe
Die jährliche Impfung ist die wichtigste Maßnahme, um eine Grippeerkrankung zu verhindern. Darüber hinaus konnte man sich bis vor wenigen Jahren nur durch eine gesunde Lebensweise zur Unterstützung des Immunsystems und durch hygienische Vorsichtsmaßnahmen vor einer Ansteckung mit Grippe schützen. Jetzt können auch die neuen Neuraminidasehemmer in vielen Fällen zu einer wirksamen Grippe-Prophylaxe eingesetzt werden. (5)

Grippe-Impfung
Aufgrund der kontinuierlichen Veränderungen der Influenzaviren müssen jedes Jahr neue Impfstoffe gegen die gerade aktuellen Virenstämme entwickelt werden und die Impfung muss jedes Jahr erneut werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch Institut empfiehlt eine jährliche Impfung für
  • Personen über 60 Jahre
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge von Grundleiden wie chronischen Krankheiten der Atemwegsorgane inklusive Asthma und COPD, chronischen Herz-/Kreislauf-, Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen, multipler Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben, bei Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, HIV-Infektionen sowie Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen.
  • Personen mit erhöhter beruflicher Gefährdung wie medizinisches Personal, Personal in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr sowie Personen, die als mögliche Infektionsquellen für von ihnen betreute ungeimpfte Risikopersonen fungieren können.
  • generell für Reisende aus den genannten Personengruppen, die nicht über einen aktuellen Impfschutz verfügen, für andere Reisende ist eine Influenza-Impfung nach Risikoabwägung entsprechend Exposition und Impfstoffverfügbarkeit sinnvoll.
  • wenn eine Epidemie aufgrund von Erfahrungen in anderen Ländern droht und der Impfstoff die neue Variante enthält. (6)


Der Erfolg einer Grippeimpfung hängt vor allem davon ab, wie gut der Influenzaimpfstoff mit dem gerade aktiven Virusstamm zusammenpasst. Darüber hinaus spielen individuelle Faktoren wie das Alter des Patienten, bereits vorhandene Erkrankungen oder der Zeitpunkt der Impfung eine Rolle für den Impferfolg. Unter optimalen Bedingungen verhindert eine saisonale Impfung eine Erkrankung bei 70 bis 90 Prozent der gesunden Erwachsenen über 65 Jahren. In Jahren, in denen der Impfstoff nicht gut zum grassierenden Virusstamm passt, beträgt die Erfolgsrate manchmal auch lediglich 50 Prozent. (5)

Saisonale Prophylaxe mit Neuraminidasehemmern
Neuraminidasehemmer können die Impfung nicht ersetzen, unterstützen sie aber häufig wirkungsvoll. (5) Neuraminidasehemmer können unmittelbar nach einer Grippe-Impfung im Zeitraum bis der Impfschutz eintritt (etwa 7 – 14 Tage) die Ansteckung mit Grippe verhindern. Bei Patienten, deren Immunsystem nach einer Impfung nicht in ausreichendem Maße Abwehrstoffe bilden kann, können Neuraminidasehemmer zusätzlichen Ansteckungsschutz gewährleisten. Außerdem können Neuraminidasehemmer bei nicht geimpften Personen angewendet werden oder bei Personen, die nicht geimpft werden können, z.B. aufgrund von Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffs. Die saisonale Prophylaxe mit Neuraminidasehemmern sollte ebenfalls in Betracht gezogen werden, wenn Impfstämme und aktuell grassierende Virenstämme nicht zusammenpassen. Auch zur Prophylaxe der Influenza muss mit der Einnahme der Neuraminidasehemmer möglichst frühzeitig begonnen werden.


Ansteckungsschutz mit Neuraminidasehemmern in Familien
Das Risiko, an einer Grippe zu erkranken, ist in Familien mit schulpflichtigen Kindern deutlich erhöht (66 % gegenüber 15 % in Familien ohne schulpflichtige Kinder). Studienergebnisse belegen, dass eine vorbeugende Behandlung mit Oseltamivir einen effektiven Schutz vor Ansteckung nach Kontakt mit einem Grippepatienten in 89 % aller Fälle gewährleistet. (2)

Neuraminidasehemmer zur Therapie und Prophylaxe bei Vogelgrippe
In Einzelfällen wurden bereits Patienten mit Oseltamivir behandelt, die sich mit der Vogelgrippe infiziert hatten. Gegenwärtig empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei Verdacht auf eine H5N1-Infektion beim Menschen eine möglichst rasche Verordnung von Oseltamivir, idealerweise innerhalb von 48 Stunden nach Beginn der Symptome, damit durch die Behandlung der größtmögliche Nutzen erzielt wird. (7) (P.Stölting, MEDIZIN ASPEKTE 11/2007)

Weitere Informationen

Verwendete Literatur
  1. Robert Koch Institut
  2. Patientenbroschüre Tamiflu – Je früher desto besser
  3. Roche: Influenzagrippe eine aktuelle und alljährliche Gefahr
  4. Roche: Influenza – Was bringt die neue Therapie
  5. Wutzler P., Kossow K.-D.et al.: Antiviral treatment and prophylaxis of influenza in primary care: German recommendations, Journal of Clinical Virology 31 (2004), 84 – 91
  6. Roche: Influenza Vorbeugung
  7. Factsheet Tamiflu, November 2006





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