Effektive Therapieoption für das Nierenzellkarzinom durch Sorafenib. Der orale Multikinasehemmer Nexavar® mit dem Wirkstoff Sorafenib bietet eine effektive Therapieoption für das Nierenzellkarzinom. Dies belegen erneut zahlreiche Studiendaten. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 395.000 Menschen neu an Krebs, 210.000 sterben an den Folgen einer Krebserkrankung. Krebs ist in den Industrienationen nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache.

Im Jahr 2020 werden nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 15 Millionen Menschen neu davon betroffen sein. Damit würde die Neuerkrankungsrate gegenüber 2000 um 50 Prozent steigen.

Hauptgrund für diesen Anstieg: Es gibt immer mehr alte Menschen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 66 und für Frauen bei 67 Jahren. Die Entstehung von Krebs ist zu einem großen Teil auf eine defekte Fehlerkorrektur der Erbsubstanz zurückzuführen: Je älter der Mensch wird, desto unzuverlässiger arbeitet dieses Reparatursystem und umso wahrscheinlicher wird es, an Krebs zu erkranken.
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Nierenkrebs: Effektive Therapieoption für das Nierenzellkarzinom durch Sorafenib
Der orale Multikinasehemmer Sorafenib bietet eine effektive Therapieoption für das Nierenzellkarzinom. Dies belegen erneut zahlreiche Studiendaten. Einen Überblick über die aktuelle Datenlage zur zielgerichteten Therapie mit dem Wirkstoff Sorafenib (Nexavar®) in der Indikation Nierenzellkarzinom gab Priv. Doz. Dr. med. Axel Haferkamp, Ltd. Oberarzt der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg, anlässlich der 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. 2008 in Stuttgart. Bei etwa jedem dritten Patienten ist das Nierenzellkarzinom zum Zeitpunkt der Diagnose bereits metastasiert. Ein großer Hoffnungsträger ist der orale Multikinasehemmer Sorafenib mit der Zulassung zur Therapie für Patienten, bei denen eine vorherige Interferon-alpha- oder Interleukin-2-basierte Therapie versagt hat oder eine solche nicht geeignet ist. Der Wirkstoff Sorafenib greift zielgerichtet die Tumorzellen und die Tumorgefäße an. In präklinischen Modellen beeinflusste Sorafenib zwei Kinase-Klassen, zu denen die RAF-Kinase, VEGFR-1, VEGFR-2, VEGFR-3, PDGFR-B, KIT und FLT-3 und RET zählen. Diese Kinasen sind entscheidend in das Zellwachstum und die Neoangiogenese involviert, den beiden Schlüsselprozessen für das Wachstum bösartiger Tumoren.

Sorafenib überzeugt bei älteren Patienten
Den klinischen Nutzen der zielgerichteten Therapie mit Nexavar® beim Nierenzellkarzinom belegt mittlerweile eine Vielzahl von Studien. Auch ein fortgeschrittenes Lebensalter ist kein Grund, den Patienten die Behandlung mit Sorafenib vorzuenthalten, denn über 65-Jährige profitieren im selben Ausmaß von dem Multikinasehemmer wie Jüngere. Dies belegte eine auf dem ASCO präsentierte Subgruppenanalyse der ARCCS-Studie, in der mehr als 1000 Patienten im Alter über 65 Jahren mit Sorafenib behandelt worden waren (Bukowski RM et al., ASCO Annual Meeting 2008). Die Response-Raten und der klinische Benefit waren vergleichbar mit früheren Studiendaten (Escudier B et al. N Engl J Med. 2007;356:125–34). Die Krankheitskontrollraten (CR+PR+SD) lagen bei 83 und 84 Prozent. Das progressionsfreie Überleben wurde durch Sorafenib in beiden Altersgruppen im selben Ausmaß verlängert. Dabei wurde Sorafenib von den älteren Patienten ebenso gut vertragen wie von den jüngeren: Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Häufigkeit und der Art von unerwünschten Arzneimittelwirkungen, einschließlich kardialer Ereignisse. Diese Daten unterstreichen, dass Nexavar® auch für über 65-Jährige mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom eine hoch wirksame und verträgliche Option bietet. Dies ist von erheblicher klinischer Relevanz, da Nierenzellkarzinompatienten häufiger älter sind und entsprechend häufiger Komorbiditäten aufweisen, betonte Haferkamp.



Effektives Team: Sorafenib und Bevacizumab
Ebenfalls auf dem ASCO präsentierte Phase-II-Daten bestätigten die Effektivität und die Sicherheit von Sorafenib in Kombination mit dem Angiogenesehemmer Bevacizumab (Puzanov I et al., ASCO Annual Meeting 2008). Der rekombinante humanisierte monoklonale Antikörper Bevacizumab richtet sich gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF) und bietet damit einen sinnvollen Ansatz für die Kombinationstherapie mit Sorafenib, erklärte Haferkamp. Sowohl in der First-line als auch in der Second-line Therapie beeindruckte die Kombination in der Dosierung von 200 mg qd Sorafenib plus 5 mg/kg Bevacizumab q2w durch ihre hohe klinische Aktivität: Bei 25 von 48 Patienten (52%) kam es zu einer partiellen Remission (PR). Dies galt auch dann wenn die Patienten eine prognostisch ungünstige sarkomatoide Histologie aufwiesen. Bei 18 der 48 Patienten (38%) kam es zu einer Krankheitsstabilisierung (SD). Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) unter der Kombination betrug 14 Monate (2–33 Monate).

Sorafenib in der Sequenztherapie
Bei der Wahl der First-line-Therapie sollte auch an die Behandlungsoptionen nach Progression gedacht werden. Sorafenib und Sunitinib eignen sich für die Sequenztherapie, da die Substanzen aufgrund ihrer unterschiedlichen Wirkorte keine Kreuzresistenz aufweisen. (Nexavar® ist der einzige verfügbare Raf-Kinase-Inhibitor.) Das Ansprechen auf die erste Therapie lässt keine Aussagen zum Ansprechen auf die zweite Therapie zu. Die bisher vorliegenden klinischen Daten zum sequentiellen Einsatz von Sorafenib und Sunitinib haben gezeigt, dass die Zweitlinientherapie mit Sunitinib in einem deutlichen verlängerten progressionsfreien Überleben resultiert. Der First-line-Einsatz von Sorafenib mit Sunitinib als Second-line-Option erscheint daher vielversprechender als die umgekehrte Sequenz. Eine große randomisierte und kontrollierte Phase-III-Studie der Deutschen Krebsgesellschaft, die demnächst beginnt, wird dieser Frage nachgehen.

Fazit
Die klinischen Daten zu Sorafenib eröffnen den Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom eine vielversprechende Perspektive.


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