Capecitabin als Standard in allen Phasen der Darmkrebstherapie

Was ist das Hand-Fuß-Syndrom bei der Chemotherapie des Colon-Karzinoms?

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Behandlung des Dickdarmkrebs - Therapie des colorektalen Karzinoms mit Capecitabin erfolgreich
Colorektales Karzinom: Optionen zur Therapie des colorektalen Karzinoms (Dickdarmkrebs) in den Stadien II bis IV sind seit langem im Fokus heftiger Diskussion. Grund sind kontinuierliche Ergebnisse laufender Studien zu neuen Optionen in der Therapie des Dickdarmkrebs mit Zytostatika. Aber auch die Entwicklung und der erfolgreiche therapeutische Einsatz von Biologics sorgt für fortwährendes Umdenken.

Nicht zuletzt die Entscheidung der europäischen Zulassungsbehörde zur Akzeptanz der Überlegenheit von Capecitabin gegenüber Bolus-5-FU/FS hinsichtlich des 5-Jahres-Gesamtüberlebens trägt zu dieser Entwicklung bei. Die vorgelegten Daten sind offiziell bestätigt und genehmigt, so dass die Überlegenheit von Capecitabin gegenüber 5-FU/FS künftig in der Fachinformation genannt wird.

Capecitabin als Standardtherapie des Dickdarmkrebs
Capecitabin ist die proaktive und nicht toxische Form des aktiven und damit zytotoxischen 5-FU (5-Fluorouracil), ein Fluoropyrimidin. 5-FU wird seit langem als Wirkstoff in der Standardtherapie des Dickdarmkrebs (Colorektales Karzinom) aller Stadien eingesetzt. Remissionsraten von 10 bis 15 % und ein medianes Gesamtüberleben von zirka 6 bis 9 Monaten werden mit 5-FU erzielt. Kontinuierliche Infusionen mit 5-FU über einen Port ließen die Remissionsraten bei guter Verträglichkeit steigern.


Orale Fluoropyrimidine, vor allem Capecitabin, können die Lebensqualität verbessern, da sie eine ambulante Therapie ohne Port-Systeme und Pumpen bei geringerem Nebenwirkungsrisiko ermöglichen. Die Komplikationsrate unter Anwendung von Port-Systemen und Pumpen liegt bei ca. 10 %. Thrombosen, Infektionen und Dislokation sind hier die Folge.

Äquipotenz von Capecitabin im Vergleich zur 5-FU Monotherapie
Die Äquipotenz von Capecitabin im Vergleich zu einem 5-FU Monotherapie-Protokoll ist in mehreren Analysen klar gezeigt worden. Für Prof. Dr. Kubicka liegen die Vorteile von Capecitabinen „vor allen Dingen in der geringeren Toxizität im Vergleich zum FU-Bolus-Regime.“ Daraus ergibt sich als Schlußfolgerung, dass Bolusregime obsolet sind. Nach PD Dr. med. Anke Claudia Reinacher-Schick kommen zur verbesserten Lebensqualität der Patienten als weiterer Vorteil niedrigere Therapiekosten hinzu.

Die leichte Applikation der Filmtabletten führt sowohl zu einer Optimierung der Lebensqualität als auch bei der Betrachtung der Behandlungszeiten zu einer Verbesserung des betriebswirtschaftlichen Ergebnisses. Denn bei Capecitabin-Patienten reduziert sich die Zeit für Arzt- und Krankenhausbesuche um 85 %. So kann ein Arzt bei 100 Patienten, die mit Capecitabin behandelt werden, im Vergleich zu der intravenösen Behandlung mit 5-FU/FS etwa ein Jahr (400 Tage) ärztliche Beratungszeit einsparen (1).

Capecitabin: Patienten bevorzugen die orale Applikationsform
Solange die Wirksamkeit nicht beeinträchtigt ist, bevorzugen Patienten die orale Applikationsform. Entgegen den Erwartungen aus der täglichen Praxis ist für PD Dr. med. Anke Claudia Reinacher-Schick und Prof. Dr. Kubicka auffällig, dass vor allem ältere Patienten die orale Therapie bei hoher Compliance vorziehen.

Auch wegen der besseren Patientenzufriedenheit empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" bei Wahl einer 5-FU Monotherapie die orale Verabreichung vor den infusionalen Protokollen, wenn auch nicht mit starkem Konsens.


Capecitabin: Kostengünstigere Therapieoption mit weniger Nebenwirkungen
Eine zusammenfassende Betrachtung der Therapieoptionen mit Capecitabin beim Colon Karzinom führt zu folgendenden Statements:
  • Die Behandlung nach dem Mayo-Klinik-Schema ist kostengünstiger und ermöglicht dem Arzt ein flexibles Praxismanagement.
  • Bei einem zielgerichteten Behandlungsansatz mit Capecitabin treten weniger Nebenwirkungen auf als unter einer infusionalen Chemotherapie (2).
  • In der Folge hiervon reduzieren sich bei Patienten, die Capecitabin erhalten, die Kosten für Medikamente, die sonst zur Behandlung von Nebenwirkungen wie z. B. Nausea, Emesis und Diarrhö aufgewendet werden müssen.
  • Im Vergleich zur intravenösem 5-FU/FS-Gabe beträgt das Einsparpotential zirka 70 % (3).
  • Mögliche Nebenwirkungen wie das HF-Syndrom (Hand-/Fuß-Syndrom), bei dem es zu Einschränkungen des Tastsinns in Händen und Füßen kommt, können durch eine Dosisanpassung ohne Einbußen der Wirksamkeit einfacher behandelt werden (1).

Für Prof. Dr. Kubicka ist bei auftretendem HF-Syndrom die Reduktion der therapeutischen Dosis, hin zu einer effizienten Behandlung ohne Wirkverlust, aber verringertem Nebenwirkungsprofil klinischer Standard. Nach seinen Worten ist es vor allem im Sinne der Patienten wünschenswert, wenn diese Erkenntnis sich stärker verbreiten würde.

Dickdarmkrebs – 90% durch Vorsorgeuntersuchungen entdeckt
Auch wenn Dickdarmkrebs mit den heutigen Therapieoptionen in den Stadien I bis III heilbar ist, weisen sowohl PD Dr. med. Anke Claudia Reinacher-Schick als auch Prof. Dr. Kubicka darauf hin, daß sich die Erfolge durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen weiter verbessern ließen. Von den jährlich 70 000 Neuerkrankungen werden 90% durch Vorsorgemaßnahmen festgestellt.

Die Krankenkassen zahlen die Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen ab dem 50 Lebensjahr. Wenn Patienten in der Familie Verwandte haben, die an colorektalem Karzinom erkrankt sind, dann sollte bereits 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des Verwandten untersucht werden. Prof. Kubicka: „Das heißt, wenn ich einen Vater habe, der mit 50 an einem Colon Karzinom erkrankt wäre, dann sollte ich mich schon mit 40 untersuchen lassen und nicht erst mit 50!“ (MEDIZIN ASPEKTE, Dr. Joachim Wolff 10/2008)

Quellen
  1. Pressegespräch im Rahmen der Jahrestagung des DGVS „Xeloda® als Standard in allen Phasen der Darmkrebstherapie“, Berlin, 1. Oktober 2008
  2. Twelves et al., WCGIC 2008, Abstract O-033
  3. Glen H, Cassidy J., Expert Rev Anticancer Ther 2008;8: 547-551
  4. Schmiegel et al., Z Gastroenterol 2008;46: 799-840
  5. Cassidy et al., J Clin Oncol 2008;26: 2006-2012
  6. Rothenberg et al., Ann Oncol, 2008 Jun 10 (Epub ahead of print)
  7. Porschen et al., ASCO 2008, Abstract 4055
  8. Cuppone et al., ASCO 2008, Abstract 4056
  9. Reinacher-Schick et al., ASCO 2008, Abstract 4030/oral presentation
  10. Okines et al., ESMO 2008, Poster 513PD


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