Pneumologie - Prognoseorientierte und wirtschaftliche Antibiotikatherapie

Ist bei der Therapie der COPD der Immunstatus zu berücksichtigen?

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Atemwegserkrankungen - wenn die Lungenfunktion eingeschränkt ist
Erkrankungen der Atemwege gehören zu den häufigsten Beschwerden in der Bundesrepublik Deutschland. Asthma, Bronchitis und Lungenkrebs zählen sogar zu den sprichwörtlichen "großen Volkskrankheiten". Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist etwa jeder zehnte Todesfall einer Erkrankung der Atmungsorgane geschuldet. Schaut man sich diese unnatürlichen Todesursachen einmal genauer an, so fällt auf, dass Asthma und die sogenannte COPD zusammen unmittelbar nach dem Lungenkrebs den Hauptanteil an diesen "pulmonalen Todesursachen" ausmachen. Sowohl die Asthmahäufigkeit als auch das Risiko, an einer COPD zu erkranken, nehmen darüber hinaus immer mehr zu. Dennoch muss keine der beiden Erkrankungen ein Schicksalsschlag für den Betroffenen sein. Heutzutage steht eine Vielzahl hochwirksamer Medikamente zur Verfügung, die das Voranschreiten dieser Erkrankungen wirksam eindämmen können und die Lungenfunktion stabilisieren oder sogar verbessern helfen.

Asthma quo vadis
Etwa jeder zwanzigste Erwachsene und jedes zehnte Kind leidet am Asthma bronchiale. Schätzungen gehen davon aus, dass die Häufigkeit in den nächsten Jahrzehnten noch weiter ansteigen wird. Das Weißbuch Lunge gibt für das Jahr 2010 eine Zunahme um fast ein Viertel an. Aus welchem Grund das Asthma so dramatisch zunimmt ist noch immer unklar.

Einerseits gibt es zwar eine erbliche Veranlagung: Leidet ein Elternteil an einer Allergie, so hat das Kind eine 20prozentige Wahrscheinlichkeit, ebenfalls eine Allergie zu entwickeln. Reagieren beide Elternteile in irgendeiner Hinsicht allergisch, so wird das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 33 Prozent später gegen eine Allergie zu kämpfen haben. Ein allergisches Geschehen ist aber das entscheidende Element bei der Entstehung eines Asthmaanfalls.

Andererseits ändern sich Erbfaktoren innerhalb weniger Jahrzehnte natürlich kaum, so dass andere Ursachen für die dramatische Zunahme von Allergien und Asthma-Erkrankungen verantwortlich sein müssen. Offenbar spielen auch Umweltfaktoren, vor allem industriell verursachte Luftschadstoffe, hier eine entscheidende Rolle.


COPD - das schlimme Erbe des Zigarettenrauchens
Auch die so genannte COPD gehört zu den bedeutendsten Lungenkrankheiten. Sie ist sogar noch wesentlich häufiger als das Asthma. Ihre Bezeichnung steht für den englischen Begriff Chronic Obstructive Pulmonary Disease, was mit "chronisch obstruktive Lungenerkrankung" übersetzt werden kann. Die COPD steigt ebenso dramatisch an wie das Asthma bronchiale. Nach Angaben der WHO wird sie im Jahre 2020 weltweit zu den dritthäufigsten unnatürlichen Todesursachen zählen.

Die COPD ist eine direkte Folge des Zigarettenrauchens. Tabakrauch zerstört die feinen Flimmerhärchen der Atemwegsschleimhaut, die für eine "Selbstreinigung" unserer Lungen sorgen: Flimmerhärchen binden mit ihrem klebrigen Schleim Staubpartikel und winzige Fremdkörper, die in die Lunge geraten sind. Durch wellenförmige Bewegungen transportieren sie den "Schmutz" nach oben, wo wir ihn später aus der Nase ausschneutzen können. Zigarettenrauchen unterdrückt diesen natürlichen Selbstreinigungsprozess des Bronchialsystems. Der Versuch, die keimbeladenen Schleimmengen durch den typischen "Raucherhusten" aus der Lunge zu transportieren, ist nur in sehr begrenztem Maße erfolgreich. Auf lange Sicht verschlimmert sich der Zustand der Bronchien und der Lunge so stark, dass sich eine chronische Entzündung herausbildet. Die Bronchialschleimhaut ist gerötet, entzündet und geschwollen. Der Betroffene leidet oft an Atemnot. Im Verlauf einer langjährigen Entzündung kann es zum Lungenemphysem kommen. Dabei sind die Lungenbläschen "überbläht" und ihre Wände werden zerstört. Aus den sich bildenden größeren Blasen ist jedoch der Sauerstofftransport in das Blut stark erschwert. Luftnot und Sauerstoffmangel arbeiten bei der COPD auch in dieser Hinsicht Hand-in-Hand.

Bewährte Wirkstoffe gegen Asthma und COPD
Erkrankungen der Lunge und der Atemwege waren in den vergangenen Jahrhunderten nur schwer zu behandeln. Noch im 19. Jahrhundert gab man Asthma-Patienten Extrakte aus tierischen Nebennieren, die bronchienerweiternde und entzündungshemmende Stoffe enthielten. Die COPD war noch nicht einmal bekannt. Heutzutage stehen den Betroffenen moderne inhalative entzündungshemmende Medikamente zur Verfügung. Außerdem stellte die pharmakologische Forschung neue Substanzklassen bereit, die eine schnell einsetzende, aber auch sehr lang anhaltende bronchienerweiternde Wirkung haben. Atemwegserweiterer und Entzündungshemmer sind sowohl für den Asthmatiker als auch für den COPD-Patienten die wichtigsten Therapie-Prinzipien, denn beiden liegt ein entzündlicher Prozess und eine Einengung der Atemwege zugrunde.

In zahlreichen Untersuchungen ist belegt worden, dass die gleichzeitige Gabe von entzündungshemmenden Substanzen und bronchienerweiternden Mitteln besser wirkt, als die Inhalation nur eines der beiden Medikamente allein.

Therapietreue durch Kombinationen erleichtert
Ziel der Asthma- und COPD-Therapie ist nicht nur eine wirkungsvolle Kontrolle der akuten Beschwerden, sondern auch eine konsequente Behandlung der bestehenden Entzündung. Asthmatiker und COPD-Patienten leiden jedoch vor allem an der Luftnot, während sie von der entzündlichen Komponente ihrer Erkrankungen nur sehr selten etwas spüren. Daher inhalieren viele Patienten zwar meist sehr zuverlässig jene Medikamente, sogenannte Bronchodilatatoren, die eine direkte Erweiterung der Luftwege und damit eine Linderung der Atembeschwerden bewerkstelligen. Die entzündungshemmenden Medikamente werden hingegen oft vernachlässigt. Diese Therapieuntreue hat ernste Folgen für den weiteren Krankheitsverlauf. Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass die Zuverlässigkeit bei der Einnahme von Medikamenten steigt, wenn die Anzahl der Medikamente bzw. die Häufigkeit ihrer Einnahme abnimmt. Es ist daher einleuchtend, dass die Verabreichung zweier Wirkstoffe in einem Medikament - also als Kombinationspräparat - eine deutlich größere Therapietreue und damit eine wirkungsvollere Therapie mit sich bringen kann. (12/2004)